Leitungswasser oder nicht

Auch mit der besten Strategie, Planung und viel gutem Willen: Das gesamte gesammelte Regenwasser ist aufgebraucht, die Trockenheit im Garten mit voller Wucht angekommen. Mulchen, Ollas, Regentanks – nichts hilft mehr. Die Erde ist ausgetrocknet und die nächste Regenfront noch lange nicht in Sicht.

Der Rasen existiert nicht mehr, denn der wird bei uns aus Prinzip nicht bewässert. Normalerweise bewässere ich nur das Gemüse. Bäume, Sträucher und auch Stauden müssen sehen wie sie zurecht kommen. Normalerweise! Doch in diesem Jahr sind bereits Mitte Juli deutliche Stresszeichen der Trockenheit auch an Bäumen und Sträucher zu erkennen. Überall Blätter wie im Herbst und selbst der KiriKiri – ein Baum aus Tropischen Regionen – lässt die Blätter fallen. An dem Aroia Strauch hängen keine Beeren mehr. Sie sind alle unreif abgefallen. Die Pflanze kämpt ums Überleben, da gibt es keine Kraft mehr für Beeren.

Zum Glück wohnen wir (noch) in einer Gegend, in der das Grundwasser nicht komplett abgesunken ist. Das Wasser aus der Leitung muss (noch nicht) rationiert werden. Nun die Frage: Soll ich mit Leitungswasser gießen? Natürlich vorraus gesetzt es ist nicht bereits verboten.

Gemüse bekommt Leitungswasser – PUNKT!

Bei dem Gemüse habe ich keine Bedenken Leitungswasser zu verwenden. Beispiel Tomaten: Diese benötigen relativ viel Wasser, müssen regelmäßig gegossen werden, damit sich gesunde Tomaten entwickeln. Doch wir verzehren die Tomaten nicht nur frisch als Salat. Es wird auch soviel wie möglich eingekocht. Als Tomatensoße bzw. Sugo, gebrauchsfertig Pizzasoße und sogar Ketchup. Abgesehen davon, dass wir uns die gesamte Verpackung all dieser Produkte sparen: Es werden keine Ressourcen in anderen Regionen verschwendet. Viele Tomaten kommen aus Wüstenregionen in Spanien und auch China. Hier werden Landschaften zerstört und Menschen ausgebeutet für eine billige Tomatensoße aus der Dose. On Top noch die ganzen Transport Emissionen für die Produkte. Da kommt Einiges zusammen.

Will ich das Alles, wenn es eine deutlich umweltfreundlichere Methode gibt? Zudem sind unsere eigenen Tomatenprodukte frei von Insektiziden und sie schmecken einfach besser. Ob es billiger ist seine Tomatenprodukte selber zu machen, kann ich nicht so einfach behaupten. Denn ich verbrauche auch Wasser und Strom und brauche Erde, Dünger und Behältnisse für die Produktion. Einmachgläser sind auch nicht günstig. Wobei ich mir ein Lager mit alten Saftflaschen angesammelt habe. Was nicht immer auf Gegenliebe bei meinen Mann stößt, doch eindeutig Kosten spart.

Trotzdem, wenn man es genau durchdenkt gibt es keine Alternative zur Eigenproduktion. Das gilt für alle anderen Obst, Gemüse und Kräuter. Also Leitungswasser auf.

Ein viel disskutiertes Thema

Etwas differenzierter wird es bei Zierpflanzen und Bäumen. Hier fand ich den Beitrag von Anke Schmitz @gruenesblut für die Landgard sehr hilfreich. Sie beleuchte mit anderen Gärtner*innen das Thema Bewässerung von Bäumen und Pflanzen bei Trockenheit. Neben der richtigen Sortenwahl der Bepflanzung ist es das Stichwort Schatten, dass einem bei der Entscheidung „Wässern oder Nicht“ hilft.
Giessen oder nicht giessen ist keine Gewissensfrage, Anke Schmitz, 11.08.2022

Dichter Bewuchs und Abschattung hilft ein kühleres Mikroklima zu erzeugen. Eine Abkühlung, welche Mensch, Tier und Natur hilft besser durch die Hitzesommer zu kommen. Dieser Effekt gilt gleichermaßen für Garten und Balkon. Das kann ich eindeutig bezeugen.

Mehr Schatten

Bei unserem Einzug ins Haus war die Terrasse an der Küche noch vollkommen ohne Schatten. Im Sommer konnte man nicht über die Terrasse gehen, die Füße brannten. Hier kann keine Topfpflanze überleben. Inzwischen ist die Terrasse von drei Seiten abgeschattet durch einen wuchernden Blauregen, dem Bambus und einer schnell wachsenden Weide. Nur im Westen ist kein Schatten. Hier trocknen denn auch regelmäßig die Töpfe innerhalb von Stunden aus.

Also alle Bäume, Sträucher, Pflanzen, welche Schatten spenden werden bei großer Trockenheit gegossen. Den Verzicht auf Englischen Landrasen finde ich hingegen in keinster Weise tragisch. Fand ich schon immer albern, wenn ich ehrlich bin. Nur auf meine alten Hortensien mag ich nicht verzichten. Sie bekommen jetzt doch mal Leitungswasser. Ganz ohne schlechtes Gewissen.

Für die nächsten Hitzesommer muss ich mich noch weiter rüsten. Im oberen, sehr trockenen Gartenteil müssen unbedingt mehr Bäume und Sträucher einziehen. Weitere Dachflächen müssen mit Regentanks bestückt werden. Und noch mehr Gemüse wird eingemacht. Mein Stichwort, es stehen schon wieder 20 kg Tomaten herum.

 

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