Räucherst du schon oder isst du sie nur? Erfahre, wie du deine Gartenkräuter zum Räuchern für die Rauhnächte trocknest und eigene Räucherkugeln herstellst. Inkl. DIY-Rezept für Lavendel, Rosmarin & Salbei. Jetzt lesen! Denn die normalen Gartenkräuter können auch getrocknet und dann mit viel Qualm verbrannt werden. Oder sollte ich besser sagen: Sie verbreiten einen reinigenden Rauch. Wer gleich zum Räucherkegel Rezept will, der findet es hier DIY Räucherkegel >>
Wo Rauch ist … Warum wir in den Rauhnächte Räuchern

Traditionell wird besonders viel in der dunklen Jahreszeit geräuchert. Und das nicht erst seit der aktuellen Esoterik Welle. Geräuchert wird schon seit Jahrtausenden. Der Rauch spezieller Kräuter, Harze und Gehölze soll dabei helfen, Haus und Hirn von bösen Geistern zu reinigen, vor Krankheit und Armut zu schützen und um sich auf die besinnliche Zeit einzustimmen.
Lange eher im (Rauch)Nebel der Zeit vergessen, erleben die Rauhnächte und ihre Rituale eine Wiederauferstehung.
Der Thomasabend: Der heimliche Startschuss für die Räucherzeit
Wann die Rauhnächte genau starten, darüber gibt es unterschiedliche Meinungen. Da es eigentlich die dunkelste Zeit des Jahres sein sollte, müssten die 12 Nächte vor der Wintersonnen Wende die richtigen Nächte für die Räucherungen sein.
Früher wurde aber oft am 21.12. mit den Rauhnächten begonnen. Der 21. Dezember, der Gedenktag des Apostels Thomas, markiert die Wintersonnenwende. Die Thomasnacht ist die längste Nacht des Jahres und gilt in der bäuerlichen Tradition im Alpenraum als die erste große „Rauchnacht“.
Während heute die meisten erst am 25. Dezember starten, nutze ich den Thomasabend gerne für eine erste Reinigungs-Räucherung. Es ist auch der perfekte Moment, um den Gartenabschluss zu feiern und die selbstgemachten Räucherkugeln oder Räuchersträußchen das erste Mal zu testen. Denn dann sind die Barrieren zwischen den Welten am leichtesten zu durchdringen – so der Glaube der Menschen in früheren Zeiten.
Rauhnächte ohne Regelzwang: Warum dein Gefühl wichtiger ist als jedes Ritual
In neuerer Zeit starten die Rauhnächte in der Nacht vom 24. auf den 25. Dezember und gehen bis zur Nacht auf vom 5. auf den 6. Januar. Meine Vermutung: Es passt einfach super in die Weihnachtsferien. Ich will damit sagen: Statt dich an strikte Rituale zu klammern, darfst du die Rauhnächte als ganz persönlichen Freiraum begreifen – eine Zeit, um den Alltag anzuhalten, dich auf das Wesentliche zu besinnen und deine Batterien wieder aufzuladen.
War es früher der flehentliche Wunsch nach Schutz vor dem Unbekannten, sind die Rauhnächte heute eine Zeit des Innehaltens, zur Ruhe kommen und zum Kraft tanken.
Auch wer den magisch / mystischen Aspekt der Rauhnächte für etwas überspannt hält: Das Räuchern des Wohnraum schafft eine andächtig – kontemplative – Atmosphäre. Es hat etwas beruhigendes zuzusehen, wie die Kräuter verbrennen und der Rauch aufsteigt. Der oft überraschend gute Duft trägt ebenfalls zur beschaulichen Stimmung bei.
Die besten Kräuter zum Räuchern aus dem eigenen Garten
Kräuter, welche ich im Garten (auch) für das Räuchern anbaue:
- Basilikum „African Blue“ (Ocimum kilimandscharicum × basilicum „Dark Opal“)
- Beifus (Artemisia vulgaris)
- Eberraute (Artemisia abrotanum), auch bekannt als Colakraut
- Königskerze (Verbascum bombyciferum
- Lavendel (Lavandula angustifolia)
- Rose – Blütenblätter einer Duftrose
- Rosmarin (Salvia rosmarinus)
- Räuchersalbei (Salvia apiana)
- Schafgarbe (Achillea)
- Wermut (Artemisia absinthium)
- Blauraute Blauraute (Perovskia atriplicifolia ‚Blue Spire‘)
Zum Räuchern lege ich die Räucherkohle in eine mit Sand gefüllte, feuerfeste Schale. Die Schale steht widerum auf einer Schieferplatte. Die glühende Kohle nie unbeaufsichtigt lassen.
So lange die Kohle glüht, werden von mir die unterschiedlichsten Harze, Hölzer und eben auch Kräuter aufgelegt. Ich finde, dass die selbst angebauten und geernteten Kräuter die Wirkung noch einmal steigern (zwinker). Zumindest bin ich mir sicher, dass keine giftigen Zusatzstoffe daran haften.
Was brennt – Gartenkräuter zum Räuchern im Wohnzimmer trocknen

Bei der Auswahl der Kräuter, welche ich verbrenne, richte ich mich ganz nach den Vorlieben meines Geruchsinns. Ich sammle die Kräuter für die Rauhnächte erst relativ spät im Sommer. Sie werden dann von mir in kleine Büschel locker gebunden und dann kopfüber im Wohnzimmer aufgehängt. Das ist zugleich für mich eine wunderschöne Natur Deko.
Jedes Kraut in meinem Garten wurde und wird auf seine Tauglichkeit als Räuchermaterial geprüft. Manchmal frisch – Achtung: durch die ätherischen Öle im z. B. Rosmarin brennt ein Zweig gefährlich schnell – zumeist getrocknet: Teile der jeweiligen Pflanze werden auf die glühende Kohle gelegt und getestet. Salbei, Lavendel und Rosmarin duften wie erwartet wirklich gut.
Mein persönlicher Duft-Favorit ist die Blauraute (Perovskia atriplicifolia ‚Blue Spire‘), auch als indianischer Salbei bekannt. Dieser krautige Busch wird auch als „Rusischer Salbei“ bezeichnet, da er wie der echte Salbei zur Familie der Lippenblütler gehört.
Die Blauraute und weitere Kräuter trockne ich im Wohnzimmer an einem selbst geflochtenen Weidering. Hier hängen die Kräuter luftig im Schatten und verschönern das Zimmer. Auch die Kräuter für Tee und Gin trockne ich gerne hier. Weiter Ideen rund um Kräuter aus dem eigenen Garten findet ihr in meinem Blogbeitrag Kräuter für Gartentee.
Anleitung: Eigene Räucherkugeln herstellen (mit Rezept)

Mein Räucherkugel Rezept enthält Kräuter, deren Duft ich liebe UND die in meinem Garten wachsen. Welche Kräuter ihr verwenden wollt – das müsst ihr ausprobieren.
Räucherkugel
Kochutensilien
- 1 Pürierwerk oder Mörser
- 1 kleine Schüssel
Materials
- 10 g getrocknete Lavendelblüten
- 10 g getrocknete Rosmarin Nadeln ODER
- 10 g getrocknete Rosenblätter
- 10 g getrocknete Basilikum Blüten von "African Blue"
- 2 El Gummi Arabicum, fein gemahlen
- 2 El Rosenwasser
Anleitungen
- Zuerst das Gummi Arabicum mit dem Rosenwasser ansetzen. Es sollte rund eine Stunde quellen können.
- Die getrockneten Kräuter und Blüten fein mahlen. Das funktioniert am besten mit einem Mahlwerk. Sie können aber auch im Mörsern gemahlen werden.
- Gemahlene Kräuter zum Gummi Arabicum geben und gut vermengen.Wer mag, kann jetzt noch Öle zugeben oder auch andere Kräuter. Je nach Belieben.
- Aus dem Teig rund 1,5 cm Kugeln formen und zum trocknen aufstellen. Ist der Teig zu feucht, etwas Stärke zugeben.
- Die Kegel mindesten eine Woche durchtrocknen lassen vor der Verwendung.
Mein Fazit: Deine Rauhnächte, deine Regeln
Die Rauhnächte sind kein Sprint und kein ritueller Pflichttermin. Sie sind ein Geschenk, das du dir selbst machst. Ob du nun jeden Abend eine eigene Räucherkugel / Räuchersträußchen entzündest oder einfach nur an einem einzigen Abend bei einer Tasse Tee den Duft deines getrockneten Lavendels genießt: Wichtig ist nur, dass es dir guttut.
Nutze die Zeit zwischen den Jahren, um den Garten im Kopf zur Ruhe kommen zu lassen und die Kraft deiner eigenen Ernte auf ganz neue Weise zu spüren.
Jetzt bin ich neugierig: Räucherst du dieses Jahr zum ersten Mal oder hast du schon ein festes Ritual? Welche Kräuter aus deinem Garten dürfen bei dir auf keinen Fall fehlen? Schreibe mir auf meinem Instagram Kanal @gartengarten.





