Edimentals – dieser Begriff beschäftigt mich schon länger. Verknüpft er doch zwei für mich wichtige Elemente in einem Garten: Essbares und Schönes. Oder Soul Food für die den Magen und die Psyche. Dabei sind mir die üblicherweise heran gezogenen Pflanzbeispiele zu naheliegend, um nicht zu sagen langweilig. Klar, bunter Mangold und dunkelblauer Grünkohl sind wirklich hübsch im Blumenbeet. Aber es gibt noch so unendlich viel mehr zu entdecken um das Thema Edimentals.
Taubenkropf Leimkraut, ein filigranes Edimental
Von der Theorie zu meinem ersten Praxisbeispiel, dem Taubenkropf-Leimkraut (Silene vulgaris). Dieses luftig leichte Wiesenkraut hat mich schon lange in seinen Bann gezogen. Die Pflanze hat wunderschöne, aufgeblasene Kelche, die wie kleine Lampignons aussehen und immer leicht im Wind wippen. Es hat lange gedauert, bis ich das richtige Saatgut finden konnte. Erst später habe ich erfahren, dass es auch essbar ist.
Mehr über meine Reise zu diesem Leimkraut könnt ihr in meinem Beitrag „Wildblume Taubenkropf Leimkraut“ nachlesen.
Eine Delikatesse in Italien und England
In England wird das Taubenkropf Leimkraut oft als „Bladder Campion“ bezeichnet und ist ein echtes Paradebeispiel für ein vergessenes Edimental. In Italien widerum ist der Name dieser Wiesenblume „Sclopit“ oder „Stridolo“. Die Blätter der jungen Pflanze sind in Norditalien eine Delikatesse und werden dort als Gourmetzutat auf dem Markt verkauft. Es ist die Geheimzutat für authentisches italienisches Kräuter-Risotto (unbedingt ohne Parmesan), Frittata oder Pasta-Saucen. Man kann es auch kurz in Butter schwenken – eben ein echtes Soul Food!
Das Edimental in einem feinen Kräuter Risotto verwenden
Die jungen Triebe und Blätter müssen vor der Blüte geerntete werden. Dann haben sie ein feines Aroma, das an eine Mischung aus jungen Erbsen, Spargel und Rucola erinnert, aber ohne die Bitterstoffe.
Noch eine Warnung: Das Nelkengewächs ist roh leicht giftig. Deshalb immer kurz andünsten und nicht im Salat verwenden, wie es oft empfohlen wird.
Edimentals im Staudenbeet
Wie wird nun aus dem Taubenkropf-Leimkraut ein Edimental? Indem man es in ein besonderes, essbares Beet einbindet. Als Wiesenblume ist es extrem anspruchslos und kann auf mageren, sandigen Böden gesät und gepflanzt werden. Ein Beet könnte so aussehen:
| Pflanze | Rolle im Beet | Ernte / Nutzen |
| Taubenkropf-Leimkraut | Der filigrane Star (Mitte/Vorne) | Junge Triebe für Risotto (Sclopit); schmeckt nach Erbsen & Spargel. |
| Meerkohl (Crambe maritima) | Die Struktur-Schönheit (Hinten/Mitte) | >Luxus-Gemüse: Gebleichte Triebe im Frühjahr schmecken wie nussiger Brokkoli. |
| Muskatellersalbei | Der imposante Wächter (Hintergrund) | Duftende Blüten für Sirup, Tee oder als essbare Deko; imposante Optik. |
| Bronzefenchel | Der dunkle Kontrast (Hintergrund) | Feines Kraut für Fisch & Salate; die dunkle Farbe lässt das Leimkraut leuchten. |
| Taglilie (Hemerocallis) | Der farbige Akzent (Mitte/Seite) | Blütenblätter für Salate; Knospen kurz angebraten als Delikatesse. |
| Schnittlauch | Die vertikale Linie (Vordergrund) | Würze für das Risotto; die violetten Blütenkugeln ziehen Bienen an. |
| Thymian (kriechend) | Der aromatische Teppich (Rand) | Ganzjähriges Küchenkraut; hält den Boden bedeckt und feucht. |
Taubenkropf-Leimkraut (Silene vulgaris), Meerkohl (Crambe maritima), Muskatellersalbei (Salvia sclarea), Bronzefenchel (Foeniculum vulgare ‚Purpureum‘), Taglilie (Hemerocallis), Schnittlauch (Allium schoenoprasum), Thymian (Thymus).
Alle aufgeführten Pflanzen bevorzugen ein eher trockenes Habitat, mit einem sandigen, gut durchlässigen Boden. Meerkohl ist ein Starkzehrer, braucht aber lokal ab und an Kompost. Diese Edimentals sind in Teilen oder ganz Verzehrbar und noch dazu Mehrjährig.
Aus Kunterbunt wird Lebensfreude im essbaren Garten
Bevor ich noch weitere Edimentals aufliste, hier ein wenig „Theorie“ für euch und mich.
Mischkultur – Permakultur – Food Forest (Waldgarten) und Edimentals: All diese vier Ansätze sind Teile einer Philosophie, die deinen Garten in ein intelligentes und essbares Ökosystem verwandeln kann.
- Permakultur: Der Plan für den ganzen Garten (Das große Ganze).
- Food Forest: Eine Variante der Permakultur mit stärkerem Fokus auf langlebigen Kulturen
- Mischkultur: Die Methode, wie Pflanzen sich gegenseitig helfen (Die Zusammenarbeit).
- Edimentals: Die Stars im Beet – Pflanzen, die hübsch aussehen und essbar sind (Die Akteure).
Für Fachleute sind sie eine ökologische Variante der Lebensmittelerzeugung. Das vorrangige Ziel ist, dass in einem gesunden Miteinander im Beet Essbares erzeugt werden soll. Ohne zu sehr in die Natur einzugreifen. Dabei stehen hohe Ernteerträge einzelner Frucht- bzw. Gemüsesorten nicht im Vordergrund. Es geht um Vielfalt.
Wissen rund um Edimentals wieder beleben
Was den Anbau von Edimentals schwierig macht in der heutigen Zeit: Wir kennen die vielen essbaren Pflanzen oft nicht (mehr). Wir wissen nicht, ob oder wie sie miteinander gepflanzt werden können. Meiner Meinung nach noch wichtiger: Wir wissen nicht, wie diese Pflanzen zu einer schmackhaften und gesunden Mahlzeit zubereitet werden.
Was bringt ein toller Food Forest – welcher vielleicht von einem Gartenplaner angelegt wurde – wenn er nicht beerntet wird? Wenn man sich mit den Augen und der Seele satt sieht, doch die Pracht einfach an den Pflanzen wieder verwelkt?
Für die Natur in den Beeten ist das natürlich das Beste. Doch nachhaltig ist das nicht. Denn unsere Nahrung muss erzeugt werden und stammt dann leider wieder allzu oft von konventionell bewirtschafteten Anbauflächen.
Für mich bedeuten sie einen bunten, nachhaltigen und kreativen Ort, an dem ich mein Soul Food ernte. Eben pure Lebensfreude.
Durch das – ich nenne es mal – „Kunterbunt“ sind diese Konzepte nicht übersetzbar in die industrielle Nahrungsmittel Erzeugung. Dafür ist Natur zu komplex, automatisierte Arbeitsabläufe nicht möglich. Die Arbeit von Händen kann auf Anbauflächen mit Mischkulturen oder auch Edimentals nicht ersetzt werden durch Maschinen.
Wichtige Aspekte bei Mischkulturen und Edimentals
Kurz die für mich wichtigen Aspekte, welche auch im privaten Hausgarten gut umsetzbar sind:
- „Bodengesundheit“,
- keinen Einsatz von künstlichem Dünger,
- keinerlei Gifte,
- Arbeiten mit geringem Werkzeugeinsatz,
- keinen künstlichen Dünger und
- Torf frei.
Um nur ein paar der Merkmale aufzuzählen. Dabei immer angepasst an die örtlichen bzw. regionalen Bedingungen. Zum Beispiel Schattenpflanzen in einem Waldgarten oder trocken resistente Pflanzen in einer heißen und trockenen Region. Vorzugweise mit heimischen, essbaren Pflanzen.
Zurück zu den Wurzeln im essbaren Garten
Diese Art der Nahrungsmittelerzeugung ist im Grunde nichts Neues. Jahrhunderte, Jahrtausende lang wurde in Mischkulturen gegärtnert. Vor allem in den Nutzgärten der Klöster. Kultiviert wurde mit den verfügbaren Ressourcen, aber auch mit einem Augenmerk auf die Schönheit der Anlage. Wenn man so will, sind Klostergärten die Vorläufer für „Edimentals“ Gärten. Im Grunde ist der Edimental Trend im Garten also eine Rückkehr zu den Wurzeln.
ToBaKo

Kleines Bonmont am Rande: Meine Topfbepflanzung von einer Tomate, Basilikum und einer Blattkohlpflanze ist schon lange in Italien im Einsatz. Da habe ich intuitive etwas richtig gemacht.
Der Basilikum hilft Schädlinge wie den Kohlweißling vom Blattkohl fernzuhalten, da er sie mit seinem Duft verwirrt. Die Tomate profitiert geschmacklich vom Basilikum. Tomate und Kohl sind Starkzehrer, deshalb regelmäßig düngen.
Infos stammen aus dem Bericht „Intercropping Systems to Modify Bioactive Compounds…“ von der Autonome Universität Querétaro (UAQ), Mexiko, nachzulesen auf mpdi.com
Zurück zur Natur: Warum wir den Umgang mit Edimentals jetzt neu lernen müssen
Wir müssen wieder lernen über den bekannten Tellerrand hinaus zu genießen. Dass es neben Kartoffeln und Karotten so viele andere Wurzelgemüse gibt. Dass es nicht nur DEN Spinat gibt, sondern unzählige weitere schmackhafte Blattgemüse. Das jedes Gericht ganz einfach mit frischen Zutaten, wie heimischen Wildkräutern, aufgewertet werden kann. Das Beste daran: Es geht auch ohne viel Gartenarbeit im Edimental Beet.
Einmal pflanzen, dauerhaft genießen: geringer Pflegeaufwand von Edimentals
Ich liebe Gartenarbeit. Doch auch ich habe nicht immer die Zeit oder Möglichkeit für die Pflege des Gartens. Am einfachsten lässt sich die Arbeit reduzieren durch mehrjährige Pflanzen. Das oft mühselige Anziehen, Auspflanzen und Beräumen der Beete fällt nur alle paar Jahre an.
Das schöne bei den unten aufgeführten Edimentals: E sind überwiegend Mehrjährig. Mehr zu den diesen Pflanzen – welche oft unter der Bezeichnung Stauden/Perennials laufen – in dem Artikel „Permakultur im Hausgarten: Mehrjähriges Gemüse“. Ebenso eine Auflistung dieser Gemüse am Ende des Blogbeitrages.
Pflanzenliste Mehrjährige
Wie bei der Permakultur sind es vor Allem mehrjährige Pflanzen und Stauden mit hohem Zierwert, welche als „Edimentals“ eingesetzt werden. Die mehrjährigen Nutz-/pflanzen in meinem Garten sind:
- Artischocke (Cynara cardunculus var. scolymus)
- Cardy (Cynara cardunculus)
- Etagenzwiebel (Allium × proliferum)
- Winterheckenzwiebel (Allium fistulosum)
- Rhabarber (Rheum rhabarbarum)
- Topinambur (Helianthus tuberosus)
- Grosné (Chenopodium giganteum)
- Broccoli bzw. Stängelbroccoli (Brassica oleracea var. italica)
- Spargel (Asparagus officinalis)
- Taglilien (Hemerocallis)
- Dahlien (Dahlia)
- Bronzefenchel (Foeniculum vulgare ‚Purpureum‘)
- Rosmarin (Salvia rosmarinus)
- Thymian (Thymus vulgaris)
- Salbei (Salvia officinalis)
- Gewürzstrauch (Calycanthus floridus)
Stand 18.01.2026: Aus diesem Artikel soll eine ganze Reihe werden. Als nächstes werde ich einen Beitrag über den Meerkohl schreiben. Diesen habe ich an einem Strandabschnitt an der Ostsee entdeckt. Eine wirklich faszinierende Pflanze. Also schaut Ende Januar wieder vorbei!








