Die Juli Stürme vor einiger Zeit haben zum Glück keinen großen Schaden in unserem Garten angerichtet. Doch dem alten Pfirsichbaum haben sie endlich den Rest gegeben. Morgens lag der letzte verbliebene Ast auf dem Boden. Toll, denn jetzt können wir endlich Edelpilze wie Shiitake im Garten selber züchten.
Vom Sturm gefällt: Ein zweites Leben für den alten Pfirsichbaum
Der Pfirsichbaum hat schon seit Jahren keine Früchte mehr getragen. Einzelne Äste waren bereits abgestorben und er stand nur noch als Schattenspender da für das darunter liegende Gemüsebeet. Mit dem neuesten Astabbruch ist das Ende dieses Pfirsichbaum gekommen. Zumindest als Fruchtlieferrant. Das Altholz des Obstbaumes ist sehr wertvoll für das Ökosystem in unserem Garten und ebeno für das neue Edelpilz Projekt.
Die Pilze wie Shiitake, Morchel, Braunkappe, Austernpilze uvm. wachsen am Besten auf frisch gefälltem Obstbaum Stämmen. Diese Holzstämme sind nicht immer leicht zu bekommen. Selbst in einer Obstbaum Region wie der unseren hier in der Oberrheinischen Tiefebene.
Da fällt es uns quasie wie in den Schoss, dass wir den Pfirsichbaum ohne schlechtes Gewissen fällen können.
Warum selbst anbauen? China-Erfahrungen und die Lust auf echte Shiitake
Warum wir ausgerechnet mit Shiitake Pilze starten? Ich liebe asiatische Suppen wie Ramen. Bei diesen Suppen sind Shiitake eine Hauptzutat für den guten Geschmack. Leider sind mir die getrockneten Shiitake Pilze – zumeist aus China – sehr suspekt. Mit meinen Erfahrungen während der Zeit in China, traue ich der Lebensmittelsicherheit bei Produkten von dort so gar nicht. Von der geringen Nachhaltigkeit dieser Pilze wollen wir jetzt mal gar nicht sprechen.
Shiitake im Edimental-Beet: Die perfekte Ergänzung für den Schattengarten
Auch gestalte ich mein Schattenbeet gerade um zu einem Edimental und Soul Food Bereich. Quasie zu einem Waldgarten. Logische Konsequenz: Wir züchten Shiitake im eigenen Schattengarten. Für diese Pilzzucht verwenden wir Holzdübel, welche mit den Sporen der jeweiligen Pilzsorte geimpft worden sind.
Nach dem Fällen haben wir den Hauptstamm in rund 50 cm lange Stücke geschnitten. Bevor die Holzdübel in das Holz gesteckt werden, wässerten wir sie für 48 Stunden. Dann Löcher bohren, welche groß genug sind, damit die Holzdübel einfach rein gesteckt werden können. Auch nachdem die Dübel im Holz versenkt wurden, kommen sie für eine weitere Nacht ins Wasserbad. So ist definitv genügend Feuchtigkeit im Holz.
Der „Sturz-Trick“ aus England: Ein ungewöhnlicher Startschuss für das Myzel
Tipp: Von einem Edimental Spezialist aus England habe ich den Tipp, dass man dann die Holzstücke einmal kräftig auf den Boden wirft. Das soll den Sturz des Holzes vom Baum simulieren.

Der Aufprall soll wie ein Startschuss auf die Pilzsporen wirken. Keine Ahnung, ob das stimmt, aber hey, es schadet ja auch nicht und die Holzstämme sind schnell geworfen.Die Pilzzucht ist auch Teil der Permakultur bzw. des Waldgartenkonzeptes.
Pilze als Schlüsselelement im Waldgarten & in der Permakultur
Ein Waldgarten (oder Food Forest) ist ein nach dem Vorbild eines natürlichen Waldrandes aufgebautes Gärtnersystem. Statt einjähriger Gemüse auf gepflügten Beeten pflanzt man vor allem mehrjährige, essbare Pflanzen in verschiedenen Höhenschichten – von hohen Obst- und Nutzbäumen über Beerensträucher bis hin zu Kräutern, Wurzgemüse und Pilzen.
In einem nachhaltigen Waldgarten und in der Permakultur bilden Pilze die unterste, aber essenziellste Schicht – die Myzel-Schicht. Als Zersetzer verwandeln sie Schnittgut und Totholz in wertvollen Humus, reichern den Boden mit Nährstoffen an und schließen biologische Kreisläufe direkt im Schattenbeet.
Natürlich schmecken sie auch sehr gut und sind Liefferanten wichtiger Nährstoffe.
Geduld, es dauert bis zur ersten Pilzernte
Jetzt liegen die beiden Holzstücke, geimpft mit 20 Shiitake Holzdübeln, im Schattenbeet. Es dauert seine Zeit bis sich der Pilz – das sogenannte Myrzel – das Holz durchwachsen hat. Immerhin ist es warm genug ist es zur Zeit. So eine Edelpilz Zucht sollte immer nur in der warmen Jahreszeit gestartet werden. Leider ist es auch im Schattenbeet aktuell zu trocken. Deshalb gießen wir regelmäßig mit dem noch verbliebenen Regenwasser die Stämme.
Gut Ding will Weile haben, dass gilt auch für die Shiitake Zucht. Doch ist so eine Zucht erst einmal angewachsen, liefert sie über Jahre hinweg immer wieder Pilze. Diese Kultur ist winterhart und kann das ganze Jahr über hier im Schattenbeet bleiben. Bis es etwas wird mit der ersten Ernte, sammeln wir die Pilze von einer Pilzbrut ab.
Pilze züchten versus Pilze sammeln
Pilze im Wald sammeln wäre natürlich auch eine Möglichkeit. Aber abgesehen davon, dass es in diesem Dürrejahr wohl eh nicht viel zu finden gibt: Shiitake Pilze finden sich bei uns in Europa nicht in der freien Natur. Andere Pilzsorten, wie der Morchel oder Steinpilz hingegen schon. Aber ich will ehrlich sein, es ist viel einfacher die Treppen in den den Garten hinab zu steigen, anstatt durch den Wald zu stiefeln.
Waldgarten, Permakultur und Edimentals
Wer mehr über das Thema Waldgarten und Permakultur erfahren möchte, dem empfehle ich einen Besuch der Webseite des Agro Forestry Trust,
„…eine in England eingetragene, gemeinnützige Organisation, die zu Agroforstwirtschaft und mehrjährigen Nutzpflanzen forscht und aufklärt. Wir betreiben praktische Forschung auf unseren Versuchsflächen, bieten Kurse an, veröffentlichen Ratgeber und verkaufen Saatgut, Veredelungsband sowie Bücher. Zudem sind wir eine kohlenstoffnegative Organisation – auf unseren Flächen speichern wir mehr Kohlenstoff, als wir durch all unsere Aktivitäten verursachen.“, 02.08.2026






