Für mich ist das Anwesen Holkam Hall in Norfolk ein gesegneter Ort mit den freundlichsten Menschen, denen ich begegnen durfte. Besonders der Walled Garden des Anwesens ist ein geschützter Raum voll Magie und Inspiration. Hierher komme ich immer wieder gerne zurück. Und ja, ich werde immer wieder emotional, wenn ich an diesen Ort in Norfolk denke.
Magie, Historie und Herzlichkeit: Mein Sehnsuchtsort in Norfolk
Das riesige Gelände, die dazu gehörende Küste und das Manor selber haben so unglaublich viel an Wissen, Historie und eben eine besondere Magie zu bieten.
Es ist eines der letzten Manor dieser Größe im Familienbesitz und konnte so seinen besonderen Charme bewahren und sogar ausbauen. Man könnte Bücher füllen über die Geschichte des Anwesen, über die Familie und ihre Einflüsse auf die gesamte Region.

Daher fällt es schwer, sich auf das für mich wichtigste Zentrum konzentrieren: Dem wiederbelebten Walled Garden von Holkam Hall. Aber keine Frage: Es lohnt sich auch die anderen Orte, wie das Manor selbst, zu besuchen. Mehr Informationen über Holkam Hall in Norfolk auf der offiziellen Webseite.
Das uralte Konzept eines Walled Garden
Mein allererster Besuch des Walled Garden war in 2017. Zu diesem Zeitpunkt kannte ich nur den Walled Garden von Blickling Hall. Dieser Walled Garden enthält „nur“ den Obst und Gemüseanbau. Die Staudengärten von Blickling Hall auf der der anderen Seite von Blickling Hall sind aber auch absolut sehenswert.
Mehr über die Walled Gardens in der Region Norfolk findet ihr in meinem Beitrag Walled Garden: Die Geschichte des ummauerten Gartens und seine zeitlose Magie.
Vier geschützte Räume: Die Struktur des Walled Gardens
Im Walled Garden von Holkam Hall finden sich vier – ebenfalls durch Mauern mit Tordurchgängen getrennte – Hauptbereiche. In dem ersten Bereich am Eingang, finden sich die Gewächshäuser für nicht winterharte Pflanzen. Ebenso die Anzucht und in früheren Zeiten die Zucht für die Exoten, wie der Ananas.
Nur wenige Gärtner und Gärten waren in früheren Jahrhunderten in der Lage diese exotische Frucht in Europa zu ziehen. Braucht es doch ein großes Fachwissen und spezielle Gewächshäuser, welche durch eine Unmenge an Pferdemist „beheizt“ wurden.
Gemüse und Obstanbau im Walled Garden
Der zweite Bereich – entlang der westlichen Außenmauer – ist heutzutage der Gemüsegarten. Früher war dieser Bereich größer, musste doch die Vielzahl der Bewohner mit den Erträgen ernährt werden. Heute dient dieser Bereich vor Allem als Vorführfläche.
Es wird gezeigt, was alles und wie im Gemüse- und Obstgarten angebaut werden kann. Gemäß der nachhaltigen Bewirtschaftung wird die Ernte in den drei Cafeterien des Manor verarbeitet und angeboten. Hier faszinieren mich vor allem die verschiedenen Artischockensorten. Aber auch die schönen, selbst gebauten Bohnenspaliere.
Das Herz und die Wiege des Walled Garden: Der Staudengarten
Der dritte Bereich ist inzwischen ein Schaugarten für Stauden, Bäume, Rosen und auch Edimentals. Denn ja, genau hier habe ich diesen Begriff zum ersten Mal überhaupt aufgeschnappt. Der Bereich teilt sich nochmal in den „Ornamental grove with herbaceous underplanting“ und den „Area of unusual trees and shrubs“.
Der „Schmückende“ Bereich ist scheinbar streng grafisch mit in Würfel getrimmten Buchen und Buchsbaumhecken. Darunter gepflanzt sind mehrjährige Stauden.
Herbaceous oder krautige Stauden: Das sind die klassischen Prachtstauden im Garten wie Pfingstrosen (Paeonia), Rittersporn, Funkien (Hosta) oder Sonnenhut (Echinacea).
Bei mehrjährigen krautigen Pflanzen (Stauden) sterben die oberirdischen Teile im Herbst oder Winter vollständig ab. Die Pflanze überwintert unterirdisch mit Wurzeln, Knollen oder Zwiebeln und treibt im Frühjahr komplett neu aus.
Herbaceous Border: Das berühmte englische Staudenbeet. Es besteht rein aus krautigen Stauden, die im Sommer ein gigantisches Blütenmeer bilden und im Winter bodennah zurückgeschnitten werden. Dazu zählen Klassiker wie Pfingstrosen, Rittersporn oder Funkien sowie Ein- und Zweijährige, Gräser und Zwiebelblumen.
Der für mich wichtigste Bereich des Walled Garden von Holkam Hall ist der „Bereich der ungewöhnlichen Bäumen und Sträucher“. Gärtnerisch hat mich dieser Bereich mehr beeinflusst als alle anderen Gärten dieser Welt zusammen. Nicht wenige der Pflanzen finden sich jetzt auch in meinem Garten. Ich schaffe es zwar nicht diese besondere Atmosphäre zu erschaffen. Doch mein Garten ist durch die vielen Inspirationen aus diesem Walled Garden vielfältig geworden.
In jedem Fall ist der Walled Garden eine gärtnerische Inspirationsquelle. Die Pflanzenauswahl und und auch die Zusammenstellung sind herrlich unaufgeregt und doch so besonders. Das lag und liegt vor allem an dem großen Können der beiden bisherigen Chefgärtnern des Walled Garden.
Dornröschenschlaf beendet: Ein Gartentraum wurde wieder zum Leben erweckt
Mehr als ein halbes Jahrhundert lang, lag nicht nur dieser Walled Garden brach. Es bestand keine Notwendigkeit selber Gemüse anzubauen und es bestand kein Interesse an der Gartenkunst. Das hat sich nach der Weltwirtschaftskrise 2009 geändert. Auf einmal war wieder die Selbstversorgung ein wichtiges Thema. Dazu die Nachhaltigkeit und das Gärtnern mit der Natur. Das rein Dekorative ist in den Hintergrund getreten.
Den Walled Garden von Holkam Hall wieder zum Leben erweckt hat Dene Wood, Fachgärtner für historische Anlagen und Nutzgärten. Er war der Chefgärtner in Holkam Hall von 2013 – 2019. Dabei basiert die Gestaltung des Walled Gardens auf der Gartenphilosophie des „Red Book“ von Humphrey Repton von 1789. Die Historie und dieses Konzept hat sowohl Dene Wood, als auch den derzeitigen Chefgärtner Mark Morrell nachhaltig beeinflusst.
Was ist eigentlich ein „Red Book“?
Ein Red Book ist ein historisches Präsentationsalbum, das Ende des 18. Jahrhunderts von dem legendären englischen Landschaftsarchitekten Humphry Repton erfunden wurde. In diesen edel in rotes Leder gebundenen Unikaten zeichnete er seine Visionen für adlige Landsitze.
Das Besondere daran war die bahnbrechende Papierklapp-Technik (Overlays): Durch das Anheben von feinen Aquarell-Klappen konnten die Besitzer sofort sehen, wie sich der bestehende Ist-Zustand in eine traumhafte Parklandschaft verwandeln würde – frühes visuelles Storytelling vom Feinsten.
Im Red Book von Holkam Hall hat er den Walled Garden nicht gezeichnet. Sein Fokus lag auf dem Landschaftsgarten rund um das Manor. Aber Repton hatte die Vision, dass ein Nutzgarten nicht hässlich sein muss. Seine Gartenphilosophie beeinflusst heute noch die Art und Weise, wie im Walled Garden von Holkam Hall geplant und gegärtnert wird.
Übrigens: Die damals bahnbrechende Idee, Gemüseanbau kunstvoll mit Blumen und Ästhetik zu verbinden, könnte als Wiege der Edimental Gardening betrachtet werden.
Auch für Mark Morrell steht nicht das Design eines Gartens alleine im Vordergrund. Das unaufgeregte Konzept des Garden-to-Table spielt hier ebenfalls eine große Rolle, wie das nachhaltig und autarke Wirtschaften im Garten. Natürlich in Verbindung mit dem „Ornamental“, also schmückenden Aspekt eines Gartens.
Die große Kunst, Historisches mit aktuellen Gartentrends und hohem Nutzwert zu verbinden, gelang und gelingt ihnen fast spielerisch. Im besten Sinne bodenständig und doch leider unterschätze (außerhalb der Gartenkenner Szene) Trendsetter. Aktuelle Themen und Gartentipps findet ihr unter anderem auf der Journalseite von Holkam Hall: holkham.co.uk/journal/
Pflanzenschätze und echte Gastfreundschaft: Unvergessliche Gesten in Holkham
Was für mich dieser Ort ganz besonders macht ist die große Freundlichkeit aller Beteiligten in diesen Gärten. Angefangen vom Pförtner. Bei einem meiner Besuch hatte ich noch mit einem Fußbruch zu kämpfen. Schwupps hatte ich einen kostenlosen Elektromobil. Wo findet man das in Deutschland?
Jedes mal, wenn ich mich für eine spezielle Pflanze interessiert habe, bekam ich Cuttings, Samen oder Pflanzen von den Gärtnerinnen und Gärtnern geschenkt. Hier habe ich die erste rote Fetthenne gesehen und auch gleich ein Cutting geschenkt bekommen. Hier bin ich der damals bei uns noch unbekannten „For your eyes only“ Rose verfallen. Sie überwuchert inzwischen unseren Vorgarten.
Bei einem weiteren Besuch habe ich das rote Cowparsley – Wiesenkerbel – kennen gelernt und auch gleich eine Wurzel geschenkt bekommen. Diese hat leider nicht die Auspflanzung zu Hause überlebt. Doch sie war der Anstoß zu meiner eigenen Wiesenkerbel Zucht mit selbst gesammelten Saatgut.
Mein Highlight: eine Perlagonie mit außergewöhnlichem Duft
Erst in diesem Jahr bei eine weiteren Besuch dann ein ganz besonderes Gartengeschenk: Eine Duft Pelargonie (Pelargonium). Von dieser Perlagonie hatte ich bereits 2017 ein Cutting von den Gärtnern geschenkt bekommen. Doch leider ist dieser nicht angewachsen, im Gegensatz zur roten Fetthenne.
Nun endlich genau diese Sorte Perlagonie als Pflanze einfach so von eine Gärtner geschenkt zu bekommen, rührt mich immer noch zu Tränen.




























