Ich stehe hier mit ein paar – zugegeben mickrigen – Haselnüssen in der Hand und frage mich: Habe ich eigentlich hier oben einen Waldgarten? Denn es sieht hier jetzt schon wie ein Urwald: Mit Walnussbaum, Birnbaum, Mispelbäumchen und eben einem Haselnussstrauch.
Bisher keine bewusste Pflanzung zum Waldgarten
Wie der Haselnussstrauch hierher kam, kann ich nicht sagen. Ich habe da so jemand mit einem Buschigen Schwanz in Verdacht. Oder war es jemand mit Federn? Die, die mir (leider) auch immer wieder Eichenbäumchen bescheren. Zurück zu meiner eigentlichen Frage: Waldgarten oder nicht Waldgarten, das ist hier die Frage.
Am Anfang war der Platzmangel
Hier oben im Hang war es eher Zufall, dass sich rund um den Bachlauf immer mehr Nutzpflanzen eingefunden haben. Ich wollte einfach mal eigene Walnüsse haben, die mir nicht ständig weg geklaut werden. Mehr zur Pflanzung der Walnuss im Artikel Pflanzung Walnussbaum, Hefegebäck mit Apfel, Feigen, kandierten Walnüssen.
- Birnbaum (Pyrus communis)
- Mispel (Mespilus germanica)
- Haselnuss (Corylus avellana)
- Aroniabeere (Aronia melanocarpa)
- Walnuss (Juglans regia)
- Pflaume (Prunus domestica)
- Apfelbaum (Malus domestica)
Die Pflanzungen waren eher unstrukturiert. Es ging mehr darum, wo sich noch ein Platz mit ausreichend Abstand findet. Das daraus ein Waldgarten werden könnte, kam mir nie in den Sinn. Ehrlicherweise war mir das Waldgarten Prinzip auch lange ein Rätsel.
Ich bedaure immer wieder, dass man bei solchen Themen nie einen kurzen Satz oder auch Absatz findet, der das Prinzip kurz und prägnant zusammenfasst. Genauere Erklärungen können ja bei Interesse nachgelesen werden. Deshalb versuche ich es mal.
Waldgarten Prinzip in 7 Schichten
Ein Waldgarten ist ein essbarer Garten nach dem Vorbild eines natürlichen Waldrandes, in dem mehrjährige und nutzbare / essbare Bäume, Sträucher und Stauden auf mehreren Ebenen zusammenwachsen.
Ein Waldgarten im Kleinen findet sich bereits im Hausgarten
Witzig finde ich, dass ich dieses Prinzip bereits in vielen Ecken im Garten praktiziere. Wie mir jetzt erst auffällt. Gutes Beispiel ist die Ecke mit der Feige. Diese Ecke im unteren Garten folgt exakt dem Waldgarten Prinzip – sie ist im Grunde ein Waldgarten im Miniformat.
Die vier oberen Schichten des Waldgarten
Hier rankt sich die Kiwibeere durch die Feige, darunter sitzt ein Johannisbeerstrauch. Genau hier greifen die vertikalen Schichten eines Waldrandes auf kleinem Raum perfekt ineinander:
- Kletterebene / Vertikalschicht: Die Kiwi nutzt die Höhe und rankt empor (oft an einem Gerüst, einer Wand oder an anderen Gehölzen).
- Strauch- / Kleinbaumschicht: Die Feige bildet die mittlere Etage mit ihrem wärmeliebenden, dicht belaubten Wuchs.
- Unterholz / Beerenstrauchschicht: Die Johannisbeere fügt sich schattentolerant in die untere Gehölzetage ein und nutzt das Licht, das durch das Blätterdach gefiltert wird.
Die drei unteren Schichten eines Waldgarten
Für einen vollständigen Waldgarten fehlen noch die niedrigeren Schichten: Krautige Pflanzen Schicht, Bodendecker Schicht und die Wurzelschicht. Wenn ich mir die Kiwi/Feigen Ecke anschaue, dann decke ich sogar diese Schichten ab.
- Krautige Ebene: Bronzefenchel, Taglilie und der obere Teil der Wegwarte.
- Bodendecker: Gundermann und Lungenkraut, wobei der Gundermann eher geduldet als gewollt ist.
- Wurzelschicht: Zum Beispiel die Wurzeln der Wegwarte.
Wow, das überrascht mich jetzt selber. Die Grundlage für einen echten Waldgarten ist also in jedem Fall bei mir im Hausgarten vorhanden. Besonders bei der Krautigen Schicht / Ebene wird mein Faible für Edimentals deutlich sichtbar. In dieser und der Strauchschicht finden sich die meisten Pflanzen, welche gerne als Edimentals klassifiziert werden.
Aber bis auch der obere Teil des Hausgarten per Definition ein Waldgarten wird, braucht es noch ein wenig mehr Planung und Pflanzung von mir. Es bleibt also spannend.
Rarität Wasserkresse im Bachlauf selber ziehen
Immerhin finden sich im Bachlauf weitere Edimentals, welche in in Zukunft nicht mehr in der freien Natur wild pflücken muss: Die rote Wasserkresse und die englische Wasserminze. Alleine die Wasserkresse ist wirklich ein großer Fortschritt für mich UND die Natur.
Muss mich kurz mal auskotzen über die Plünderer
Denn ich könnte immer eine Hasskrawatte bekommen, wenn ich wieder sehen muss, wie viele mit Wildkräuter Pflanzen in der freien Natur umgehen. Plündern, nicht zum Eigenbedarf! raus reißen, anstatt nur einzelne Stängel vorsichtig abschneiden… meistens kann man da nur abkotzen.
Übrigens der Grund, warum ich nie über die Kräutersammlungen im Wald schreibe. Ich muss nicht die ganzen Volldeppen ohne jeglichen Sinn für Verantwortung gegenüber der Natur auch noch auf etwas bringen.






