Manifest zum Sterben des Fachbuchmarkt
Ich hadere bereits seit Jahren mit der schönen Social Media Welt auf Instagram und TikTok wenn es um meine Arbeit in, um und über den Garten geht. Es hat mich schon immer gestört, dass ich mit meinem hochwertigen Garten Content immer wieder klein gehalten werde. Inhaltsloses Kasperletheater hingegen hofiert und finanziert wird.
Trotz Gartenbuchpreis düstere Aussichten
Dieses Jahr habe ich es geschafft endlich gesehen zu werden. Von Fachleuten, von Menschen, die sich auskennen im Garten und in der Medienbranche. Ich bin wirklich stolz auf meinen Preis beim Deutschen Gartenbuchpreis auf Schloss Dennenlohe und ich bin auch unendlich dankbar hierfür.
Anfangs sah es auch echt gut aus für meine weitere Entwicklung. Endlich stand ein Buchvertrag im Raum, meine Followerzahlen sind gestiegen, erste Kooperationsgespräche fanden statt. Doch dann ist alles implodiert. Buchvertrag futsch und es wird auch keinen neuen geben. Denn der Fachbuchmarkt liegt im Sterben.
Systemkollaps im Fachbuchmarkt für Ratgeber
Im Juli habe ich von meinem geplatzten Buchvertrag erzählt im Beitrag „Warum aus meinem Buchvertrag nichts wurde – und was auf dem Ratgeber Buchmarkt schiefläuft“. Das war aus der Sicht einer einzelnen Person. Aber ich bin kein Einzelfall. Es ist ein Systemkollaps mit vielfältigen Ursachen.
Dazu immer wieder die Ansage von „Marketingfachleuten“, dass meine Arbeit irrelevant ist. Meine Webseite mit genial guten Klickzahlen für diese – ich könnte immer noch lachen – Fachleute nicht existent. Meine selbst veröffentlichten Ratgeber verkaufen sich nicht, von den Konsumenten gibt es nur die Antwort „es gibt doch alle Informationen für umsonst“.
Selbst die Bitte um eine kleine Spende für all die vielen, oft exklusiven Informationen auf meiner Webseite haben bisher zu 0,- € geführt. Es fühlt sich nicht nur so an, dass es als Frechheit empfunden wird, wenn ich für meine Arbeit entlohnt werden will.
Es ist ganz einfach: Ich kann das, was heute wirklich zählt in der Digitalen Welt und im Fachbuch-/markt nicht bieten. Und nein, das was zählt ist NICHT Fachwissen, schöne Bilder und Freude am Gärtnern. Ich bin inzwischen chancenlos, wenn es darum geht ein Fachbuch über einen Verlag zu veröffentlichen.
Woran es liegt? Einfach erklärt am „Getrommel“. Unabhängige Buch- / Content-Projekt ohne großes Kapital oder bestehende Millionen-Reichweite sind in der heutigen Medienlandschaft schlicht kaufmännisch blockiert. Buchprojekte ohne entsprechende Voraussetzungen werden nicht mehr sichtbar in einem stark schrumpfenden Markt.
Dabei hat die kaufmännische Blockade, an der ich und viele andere hochqualifizierte Kreative zerschellen, auch extrem viel mit der Entwertung von echtem Wissen durch KI Systeme zu tun.
1. Die Entwertung von Fachwissen („Good Enough“-Content)
KI’s produzieren auf Knopfdruck Massen an Texten, Ratgebern und Zusammenfassungen. Das Problem: Die „Inhalte“ sind wissenschaftlich und/oder handwerklich flach, oberflächlich, allzu oft schlicht falsch und im schlimmsten Fall gefährlich.
Aber für den Großteil der Nutzer und für Suchmaschinen reicht dieses gefährliche „Halbwissen“ leider aus. Wenn das Netz mit kostenlosem, generischem Content geflutet wird, sinkt die Bereitschaft der Menschen, für echtes, jahrelang erprobtes Fachwissen Geld auszugeben, drastisch. Qualität wird im Rauschen der Masse unsichtbar. Hinzu kommt
2. Die kollabierte Aufmerksamkeitsspanne beim User.
Das Gehirn einer breiten Masse ist durch jahrelanges Scrollen, Häppchen-Content und Algorithmus-Dopamin schlicht darauf konditioniert worden, tiefere Wissensaneignung als unzumutbare Anstrengung zu empfinden.
Wenn die Fähigkeit verloren geht, ein Buch konzentriert zu lesen, Zusammenhänge zu durchdringen und Praxiswissen Schritt für Schritt selbst zu erarbeiten, passiert Folgendes: Was mehr als zwei Absätze braucht, um verstanden zu werden, wird nicht mehr als „wertvoll“, sondern als „kompliziert“ oder „zu lang“ abgelehnt.
Das Häppchen-Lesen erzeugt die Illusion, man hätte etwas verstanden, obwohl man nur eine flache Zusammenfassung konsumiert hat. Echtes Handwerk oder botanisches Verständnis entsteht so nie.
Ein gut recherchiertes Fachbuch auf hohem Niveau erfordert einen Leser, der bereit ist, sich zeitlich und geistig darauf einzulassen. Wenn dieser Lesertypus im Massenmarkt zur Ausnahme wird, bricht die tragfähige Basis für gute Verlage und Autoren ersatzlos zusammen.
3. Das Versagen von Verlagen und Plattformen beim Fachbuchmarkt
Weil die Aufmerksamkeitsspanne sinkt und der Markt mit KI-Massenware überschwemmt wird, ziehen sich klassische Verlage noch weiter in die Risikovermeidung zurück. Sie investieren nur noch in extrem abgesicherte Mainstream-Themen und reichweitestarke Influencer bzw. Promi-Namen.
Diese Vorgehensweise kreide ich vor Allem den großen, finanzstarken Verlagen an. Denn sie hätten die Möglichkeit auch weiterhin die Qualität im Blick zu behalten. Aber es wird lieber Schund – welcher sich noch verkauft– auf den Markt geschmissen.
Der Raum für echtes Wissen, Innovation, Ästhetik und Nischen-Exzellenz wird so letztlich von zwei Seiten zerquetscht: Oben mauern die Verlage, von unten höhlt der KI-Content den Markt aus.
Strukturelle Ursachen führen zum Systemkollaps
Diese Entwicklung hat nichts mehr mit einer persönlichen Niederlage zu tun. Die strukturellen Ursachen, welche zum Systemkollaps führen, sind von mir nicht beeinflussbar.
Jahrelange, echte Praxis-Expertise, ingenieursmäßige Präzision und prämierte Gestaltung wird vom Markt in einer Welle aus oberflächlicher Massenware entwertet. Pervers wird es, wenn die KI’s, die diese Welle antreiben, gleichzeitig als „Berater“ auftreten.
Düstere Zukunftsperspektiven für den Fachbuchmarkt
Es kommt letztlich zur Kernfrage unserer Zeit: Gibt es noch die Möglichkeit die Verdummung der Menschheit aufzuhalten? Oder auf mein Thema herunter gebrochen: Habe ich noch die Chance mein Gartenwissen zu vermitteln und dafür auch bezahlt zu werden?
Nein, habe ich nicht.
Denn wer darauf hofft, dass ein vom Algorithmus an kostenlosen KI-Müll und 3-Sekunden-Clips gewöhntes Publikum freiwillig für Tiefe und echte Praxis-Expertise zahlt, gibt sich einer Illusion hin. Hier hat sich die Degeneration eines mündigen und verantwortungsvollen Lesers vollends ihre Bahn gebrochen.
Die Zerstörung der klassischen Entdeckungspfade verhindern Selbstvermarktung
Leider ist die Selbstvermarktung auch keine Lösung mehr. Früher haben Menschen nach Inhalten gesucht, sind auf Blogs dem meinen gestoßen, haben die fachliche Tiefe erkannt und Bücher oder Produkte gekauft.
Heute fassen KIs und Suchmaschinen-Widgets Inhalte direkt auf der Suchseite zusammen (zusammenhanglos, oft ungenau oder falsch zitiert), ohne dass der Leser jemals auf die Website der eigentlichen Urheberin besucht. Der Traffic – die Lebensader für jeden Eigenvertrieb – wird an der Quelle abgesaugt.
Und nun?
Um es noch einmal zu verdeutlichen: Es darf und soll auch weiterhin – ich nenne sie mal – „Feel Good“ Bücher geben. Bücher, mit einer positiven Atmosphäre zum Anschauen und um sie dann ins Buchregal zu stellen. Sie haben absolut ihre Berechtigung. Aber hört um Himmelswillen damit auf sie als Fachbücher zu bezeichnen.
Ob man die Ratgeber Branche noch retten kann, etwa wenn Verlage, Buchhandelsketten und die gesamte Medienbranche wieder auf mehr Qualität wert legen?
Keine Ahnung. Denn das Sterben des Fachbuchmarktes ist letztlich das Symptom einer verfallenden Geistes- bzw. Lernkultur in der heutigen Gesellschaft. Einer Entwicklung, der man sich meines Erachtens nicht entgegen stemmen kann. Und somit sind wir am Ende der Fahnenstange angelangt.
Genauere Zahlen findet ihr im Artikel „Hat die KI das Ratgeber Sachbuch schon erledigt?“ von drweb.de, 22.09.2026
