Rosen als Edimental: Ernte, Aromen & kreative Ideen für die Küche

Der Duft und Geschmack von zarten Rosenblättern war schon immer etwas Besonderes für mich. Es gibt keinen Tee, welcher mich mehr entspannt, als ein guter Ceylontee mit Rose. Eigentlich logisch, dass Rosen unbedingt in die Gruppe der Edimentals gehört, wenn sie die entsprechenden Merkmale bieten. Allen voran meine Lieblingsrose „Louise Odier“ (Rosa „Louise Odier“) – eine historische Rose aus dem Jahr 1851, mit einem betörenden Duft.

Ein Hauch von Tea Time für dein Zuhause

Wenn Rose auf Rhabarber trifft, beginnt die Zeit der besonderen Genussmomente. In meinem Buch „Vesper – Tea Time auf Badisch“ zeige ich dir, wie du diese feinen Nuancen aus dem Garten in stimmungsvolle Auszeiten mit Genuß verwandelst.

Erlebe Rezepte, die die badische Gemütlichkeit mit der Eleganz einer englischen Tea Time verbinden.

Sachbuch Vesper Tea Time auf Badisch
Vesper – Tea Time auf Badisch

Zum Buch „Vesper – Tea Time auf Badisch“

Was muss eine Edimental Rose bieten?

Grob kann ich die Rosen in meinem Garten in zwei für mich relevante Gruppen einteilen. Die Rosen, bei denen es mir vor allem und ihr Erscheinen geht. Bei anderen Rosen ist es eher ihr Nutzwert. Gut, wenn beides in einer Rose vereint wird. Wie eben der „Louise Odier“.

Bei der Auswahl der Edimental Rosen lag mein Hauptaugenmerk auf den Eigenschaften

  • stark duftende Rosenblätter und
  • dicke Hagebutten.

Denn seit dem Verlust der gelben Rose aus dem Kleingarten war es schwierig geeignete Hagebutten für den Kernli Tee und anderen Leckereien zu bekommen. In fremden Gärten kann man nicht ernten. Denn ungespritzte Rosenstöcke finden sich in den üblichen Gärten leider nicht allzu oft.

Keinerlei Pflanzenschutz sorgt für unbeschwerten Genuss

Auf der noch jungen Rose „Great Western“ sieht man deutlich die Schleimspuren der Nacktschnecke und die Blattläuse. Ein deutliches Zeichen, dass bei mir wirklich ohne Gifte gearbeitet wird. Klar, auch ich würde unbeschädigte Blüten bevorzugen. Blattläuse sind mir egal, so lange sie nicht zu viel werden.

Doch ich will nicht gegen Raupen oder gar Pilzkrankheiten spritzen. Denn ein gesundes Nahrungsmittel gibt es nur durch den kompletten Verzicht von Spritzmitteln!

Auf der Suche nach den besten Edimental Rosen

Auch deshalb bevorzuge ich alte bzw. historische Rosensorten, denn sie sind seltener anfällig für Pilzkrankheiten. Auf gar keinen Fall würde ich hierfür veredelte Beetrosen bzw. Edelrosen pflanzen.

Bei modernen Strauchrosen bzw. Englische Rosen kann man hingegen fündig werden. Die nostalgischen Blütenformen – zumeist Centifolien, also „Hundertblättrige“ – bieten oft einen intensiven Duft, kombiniert mit der Robustheit moderner Züchtungen.

Mein bester Tipp für Suchende: Schaut in einem Rosarium in eurer Nähe vorbei. Am besten Ende Mai bis Mitte Juni.

Im Frühsommer werden die Blütenblätter geerntet

Wenn die Blüten meiner Lieblingsrose sich entfalten, beginnt für mich wieder die Zeit großer Freunde. Es wird geerntet, verarbeitet, getrocknet und genossen. Der dann allgegenwärtige Rosenduft lässt jede schlechte Laune verfliegen. Ob frisch verwendet oder getrocknet: Die Blütenblätter lassen sich in so vielen tollen Produkten verarbeiten.

Rosenblüten Ernte

Die Hauptblütezeit im Frühsommer ist der Startschuss für die kulinarische Ernte. Rosenblüten enthalten feine ätherische Öle, die Gerichte und Getränke auf ein ganz neues Level heben.

  • Der richtige Erntezeitpunkt: Am besten morgens sammeln, wenn der Tau gerade abgetrocknet ist – zu diesem Zeitpunkt ist das Aroma am intensivsten.
  • Vorbereitung: Zupfe die Blütenblätter vorsichtig ab und schneide das weiße, oft leicht bittere untere Ende (den Ansatz) ab.

Eine weitere tolle Duftrose ist die „Great Western“ (Rosa borbonica). Auch ihre stark duftenden Rosenblüten und Blütenblättern sind die Grundlage für allerlei Leckereien.

Rosenzucker, Rosen Marmelade, Rosensalz, Rhabarber Rosen Sirup, Rhabarber Rosen Gelee oder eben Rosenblätter in einem feinen Gartentee … um nur ein paar bzw. die bekanntesten Einsatzmöglichkeiten zu nennen.

Rosensalz für Hochgenuss selber machen

Eine weitere Anwendungsmöglichkeit für duftende Rosenblätter: Rosensalz. Einfach gemacht und unglaublich lecker in jedem frischen Gartensalat. Einfach die gezupften Blütenblätter mit 100 g groben Salz vermengen und trocknen lassen. Am besten im lichten Schatten an einem sonnigen Frühsommertag. Wenn die Blütenblätter komplett getrocknet sind, alles zusammen mörsern und in eine Schraubglas füllen.

Was bei der „Golden Gate“ Rose zählt, sind die dicken Hagebutten im Herbst

Für eine reiche Hagebutten Ernte im Herbst fiel meine erste Wahl fiel auf eine Rose, welche einer gelben Rose aus unserem ehemaligen Kleingarten am nächsten kam. Die ebenfalls gelbe Rose „Golden Gate“ bildet im Herbst fast genause große Hagebutten, wie die alte Rose. Dafür hat sie immerhin einen leichten Duft. Das und die dicken Hagebutten lassen mich über die Gelbe Blütenfarbe hinweg sehen. Sie sitzt jetzt im oberen Teil des Hausgarten und darf dort vor sich hin wuchern.

Die dicken Hagebutten im Herbst verwende ich persönlich am liebsten für meinen eigenen Kernli Tee. 

Kulinarischer Geheimtipp: Kernli Tee

Nach der Verarbeitung von Hagebuttenmark bleiben die wertvollen Kerne übrig. Getrocknet und leicht geröstet ergeben sie den feinen Kernli Tee. Dieser Hagebutten-Samen-Tee überrascht mit einem zart nussigen Aroma und einem ganz leichtem Vanillearoma – ein echtes Highlight aus dem kulinarischen Rosengarten.

Dicke Hagebutten brauchen Zeit – kein Rosenschnitt im Sommer

Übrigens: Wenn ihr dicke Hagebutten wollt, dürfen die Rosen in der Gartensaison nicht zurückgeschnitten werden. Nur der erste Flor bildet Hagebutten, die vollständig ausreifen. Daher sind vor allem die historischen und wilden Sorten bekannt für die Verwendung ihrer Hagebutten. Sie blühen zumeist eh nur einmal pro Saison und werden nicht zurück geschnitten.

Rosen, welche öfter blühen, werden in der Regel stark geschnitten für mindestens einen weiteren, üppigen Flor. Wer lieber dicke Hagebutten ernten will, der lässt seine Gartenschere den Sommer über liegen. Auch wenn es schwer fällt – weil es ja wieder unordentlich ist. Mehr dazu im Artikel  Von Hagebutten und Kernli Tee.

Rosensorten für dicke, ergiebige Hagebutten

  • Kartoffelrose / Apfelrose (Rosa rugosa): Der absolute Spitzenreiter für dicke Hagebutten. Sie bildet riesige, fleischige, fast tomatenartige Hagebutten in knalligem Rot aus, die im Herbst extrem ergiebig sind.
    Aber: Kartoffelrosen können so invasiv wie Bambus werden. Deshalb nur mit Wurzelsperre in den Garten setzen.
  • Essig-Rose / Apothekerrose (Rosa gallica ‚Officinalis‘): Liefert wunderschöne, große, kugelige bis leicht flaschenförmige Hagebutten, die ebenfalls viel Fruchtfleisch bieten.
  • Bibernell-Rose / Zimt-Rose (Rosa pimpinellifolia / Rosa majalis): Bringt zwar eher kugelige, dunkle Hagebutten hervor, diese sitzen aber oft in tollem Format am Strauch und haben ein sehr feines Aroma.
  • Hundsrose (Rosa canina): Die klassische Wildrose liefert längliche, oval-dicke Hagebutten, die sich super verarbeiten lassen und einen unglaublich hohen Vitamin-C-Gehalt haben.

Rosen sind die schönsten Edimentals

Für mich sind Rosen das vielseitigste Edimental, dass sich im Garten findet. Als Edimentals werden Pflanzen bezeichnet, welche einen dekorativen Wert für den Garten haben und gleichzeitig essbar sind.

Im Grunde ist „Edimental“ eine trendige Bezeichnung aus der Gartennation UK, kommt ursprünglich aus der Permakultur Szene und wurde geprägt von Stephen Barstow. Dabei ist es nur eine neue Bezeichnung einer recht alte Form der Gartenkultur. Früher war der Nutzwert einer Pflanze im Garten immer wichtiger. Trotzdem wurde die Schönheit der Pflanzen auch in Szene gesetzt. Wie in den Klostergärten im späten Mittelalter.

Manchmal ist es einfach nur ihre Schönheit, welche mich fasziniert

Auch die „Captain John Ingram“ (Rosa muscosa „Captain John Ingram“) duftet sehr stark. Doch diese Rose habe ich mir rein aus ästhetischen Gründen gekauft. An dieser Rose faszinieren mich vor Allem die Knospen. Sie sehen aus, als wären sie mit Moos bewachsen. Die Rose hat mich mit diesem Merkmal zum ersten Mal im Park des Manor Blickling Hall, Norfolk in den Bann gezogen. Das war 2017!