Im zeitigen Frühjahr geht es an den Frühlingsputz in den Stauden und Gemüsebeeten. Dabei lasse ich seit einigen Jahren die Stängel von Königskerze, Bronzefenchel, Nachtkerze, Cardy, uvm stehen.
All diese Stauden bilden markhaltige Stängel. Dabei ist das Mark – das Innere – weicher. Oft werden sie auch hohl. Diese aufrechen Stängel sind hervorragende Nistplätze für spezielle Wildbienen Arten. Darunter Mauerbienen wie Osmia leucomelana oder Osmia tridentata (diese und weitere Informationen stammen von wildbienen.info)
Markhaltige Stängel als Bienen Kinderstube
Das Besondere: Diese Wildbienen nisten in senkrecht stehenden Stängel. Es bringt also nicht, Stängeln zu sammeln und als Bündel waagrecht in ein Insektenhotel zu legen. Mag ja für das menschliche ordentlicher aussehen. Den Bienen hilft das nicht.
Nochmal: Die Stängel müssen senkrecht und auch einzeln stehen! Der Abstand zwischen den potentiellen Nistplätzen sollten mindestens 20 cm sein.
Königskerze, Nachtkerz, Bronzefenchel, uvm.
Neben Bronzefenchel und Co. sind auch Königskerzen (Verbascum) sehr beliebt bei in Stängel nistenden Wildbienen. Diese Stauden sollten für 4 Jahre unberührt stehen bleiben. Erst nach der Blüte können Königskerzen im dritten Standjahr von Wildbienen bezogen werden.

Es dauert ein weiteres Jahr, bis die Wildbienen schlüpfen. Da ich von dieser Nistart erst 2023 erfahren habe, werde ich erst in diesem Jahr (hoffentlich) bewohnte Stängel finden. Potenzielle Bewohner habe ich schon mal entdeckt – glaube ich zumindest.
Lasst die vertrockneten Stauden stehen: 4 Jahre für die Wildbienen!
Markstängel-Nister wie viele unserer heimischen Wildbienen brauchen Geduld: Erst nach der Blüte im dritten Standjahr können die verblühten Stängel von Königskerzen, Bronzefenchel & Co. als Nistplatz bezogen werden.
Es dauert ein ganzes weiteres Jahr, bis die nächste Generation schlüpft.
Mein Appell: Schneidet verblühte Staudenstängel nicht vorschnell ab! Wenn sie vier Jahre unberührt stehen bleiben, schenkt ihr bedrohten Wildbienen und anderen vom Aussterben bedrohten Insekten einen überlebenswichtigen Wohnraum.
Bienenrakete als Wildbienen Kinderstube
Wenn man selber diese speziellen Wildbienen Nistplätze bauen möchte, sollten sie wie Raketen aufgebaut werden. Diese „Bienenraketen“ können auch aus rund 1-2 cm dicken Holzstücke von Rosengewächse gebaut werden. Zu den Rosengewächse (Rosaceae) gehören auch Himbeeren und Brombeeren. An jeden Stützstamm wird nur ein – mindestens 30 cm langes – Holzstück gebunden und senkrecht in den Boden gesteckt. Natürlich am besten in der Nähe einer blühenden Wildblumenwiese.
Spezialisten bei den Wildbienen
Achtung: Wildbienen sind auch Spezialisten in Sachen Nahrung Nektar und Pollen Quelle. Von über 20 verschiedenen blühenden Pflanzenfamilien wird oft nur eine als Nahrungsquelle von einer Wildbienenart angeflogen. Viele der als Bienenfreundliche bezeichneten Stauden oder Samenmischungen helfen nur der eh reichlich vorhandenen Honigbiene.

Wer etwas für Wildbienen tun möchte, muss sich auch über das passende Narungsangebot informieren. Auch hier verweise ich gerne auf die Webseite wildbienen.info. Dort finden sich viele Steckbriefe, in der auch die bevorzugten Nahrungsquellen aufgeführt werden.
Wildes Balkonglück: Strategisches Chaos statt Herbstputz
Ich selbst bin gespannt wie die Staudenbeeten aussehen werden, wenn zwischen den blühenden Stauden die vertrockneten Stängel stehen. Das gibt den Beeten sicherlich eine interessante Struktur. Auf jeden Fall wird mein Garten noch Vielfältiger und ein guter Lebensraum für noch mehr wilde Tiere. Eben ein wilder Garten.
Königskerze ein wichtiges Habitat im Naturgarten
Übrigens: Königskerzen sind nicht nur die Kinderstube für Wildbienen. In den vertrockneten Stängel und auf den Samenständen findet sich auch die Kinderstube von seltenen Faltern. Im Stängel wachsen die Raupen des Königskerzen-Mönch (Cucullia verbasci) und auf dem vertrockneten Samenständen die Raupen des Königskerzen-Zünsler (Anania verbascalis).
Vom Aussterben bedrohte, heimische Mottenarten
Beide Mottenarten sind vom Aussterben bedroht, da es nur noch wenige naturbelassene Flächen gibt und die überaus ordentlichen Gärtner immer gleich die verblühten Pflanzen entfernen. Was bei mir als faule Naturgärtnerin zum Glück nicht so schnell passiert. Aber ich muss zugeben, dass beim Anblick des Gespinst auf den Nachtkerzen mein allererster Impuls diesmal auch war: Iiihhh, Abschneiden und im Hausmüll entsorgen. Gut, dass ich dann doch noch ein wenig Recherche betrieben habe.
Der Königskerzen-Zünsler im heimischen Garten
Das Gespinst ist die Kinderstube des Königskerzen-Zünsler, der sich fühlt auf meinen Königskerzen richtig wohl fühlt. Die Raupen fressen unter dem dichten Gespinst die Samen der Königskerze. Es bleiben aber immer noch mehr aus genug Samen für die Wiederaussaat übrig. Ansonsten ist dieser Zünsler harmlos und nicht so zerstörerisch wie sein Namensvetter. Und nein, bisher ist mir die augewachsene Motte noch nicht aufgefallen. Habe aber auch nicht danach gesucht, sie ist recht unscheinbar.
Den beeindruckenden Königskerzen-Mönch habe ich noch nicht bei mir entdeckt, aber das kann ja noch werden.







