Der Begriff “Permakultur” ist – ebenso wie Nachhaltigkeit – erst einmal schwer greifbar. Eine Vielzahl von einzelnen Methoden und Aktionen im Garten bilden durch ihre Gesamtheit ein ganzheitliches System. Hört sich abstrakt, schwierig und komplex an. Doch das ist es nicht! Gerade für deine Balkon Permakultur.
Permakultur, auch im Balkongarten ganz einfach
Durch die schiere Menge an mit einander verknüpften Methoden und Aktionen scheint es schwierig “Permakultur” in die Praxis zu übersetzen. Die komplexe Materie lässt sich aber in viele einzelne Schritte und Methoden aufteilen. Von diesen Methoden suchst du dann einfach die aus, welche für dich machbar sind. Dadurch wird der Einstieg wesentlich einfacher. Es geht nicht darum es „perfekt“ zu machen. Es geht darum es überhaupt zu machen.
Eine Liste von Handlungsempfehlungen mit denen man starten kann findet ihr weiter unten.
Permakultur bedeutet weniger Arbeit und mehr Genuss

Ziel einer Permakultur ist es zu allererst einen gesunden, nachhaltigen Anbau zu etablieren, bei dem Natur und Mensch profitieren. Bei der Permakultur im Garten wird dieser in Zonen eingeteilt. Pflege intensive Kulturen, wie viele einjährige Gemüse Sorten, werden nah am Wohngebäude angebaut. Die Wege sind kurz und man hat immer alles im Blick.
Bäume und Büsche brauchen nur wenig Pflege. Sie stehen deshalb im vom Haus entferntesten Bereich des Gartens. Dort finden sich auch verwilderte Zonen, in denen sich die Natur ausbreiten kann. Die Zoneneinteilung hilft dabei so effektiv wie möglich, mit so wenig Eingriffen wie nötig einen Nutzgarten zu bewirtschaften.
Aufgrund der oft eher kleinen Fläche eines Balkongarten ist die Zoneneinteilung nicht ganz so wichtig. Kann aber helfen Struktur in den Balkon und in die Arbeitsabläufe zu bringen. Wichtig ist, „mit so wenig Eingriffen wie möglich in ein existierendes System einzugreifen“.
Permakultur ist nachhaltig
Das zweite Grundprinzip: So autark wie möglich arbeiten. Das umfasst Saatgut selber ziehen und sammeln, mit Regenwasser gießen, Kompost und Jauchen herstellen, ebenso organischer Pflanzenschutz. Ist ein Permagarten erst einmal angelegt, wird nur noch das notwendigste Eingebracht oder daraus entnommen. Nebeneffekte sind der Schutz von Ressourcen und die Reduzierung von nicht wieder verwertbaren Abfällen. Gelebte Nachhaltigkeit eben.
Die 2 Säulen deiner Balkon-Permakultur
In der Natur gibt es keinen Abfall. Küchenabfälle werden zu Dünger (Wurmkiste), Regenwasser wird aufgefangen und Erde wird immer wieder belebt statt entsorgt.
Mit so wenig Eingriffen wie möglich in ein existierendes System einzugreifen. Zum Beispiel Pflanzen helfen sich gegenseitig. Ein bunter Mix aus Gemüse, Kräutern und Blumen schützt vor Schädlingen und sorgt für ein gesundes Gleichgewicht – ganz ohne Chemie.
Handlungsempfehlungen: Das kannst du tun für deinen Permakultur Balkon und Garten
Eine Liste der Dinge, welche auch in einem Balkon Gemüse Garten machbar sind und zu einer Permakultur gehören (ohne Anspruch auf Vollständigkeit):
- Ziehen von einjährigem Frucht-/ Gemüse aus selbst erzeugtem Saatgut
- Anbau von mehrjährigen Nutzpflanzen, auch Obstbäume und Sträucher wachsen in Kübeln.
- Nutzung aller Freiflächen unter Einhaltung von notwendigen Abständen zu anderen Pflanzen.
- Erzeugen von eigenem Dünger. Entweder aus Pflanzenmaterialien in einer Wurmkiste oder als Jauchen.
- Verwendung von gesammelten Regenwasser.
- Eine kleine Wasserstelle aufbauen, zum Beispiel ein Miniteich in einer Wanne.
- Einsatz von Nützlingen wie Marienkäferlarven als Pflanzenschutz.
- Zierpflanzen mit einem echten Mehrwert, wie Bambus als Baumaterial, ungefüllte Dahlien als Futterquelle für Insekten, Wildobst wie Felsenbirne, uvm.
- Nicht immer alles ordentlich blank räumen, die Natur auch einfach mal im Gemüsebeet machen lassen. Kahlflächen werden gemulcht, etwa mit den Blattresten des abgeernteten Gemüse
- Oder mal eine schnell wachsenden Gründüngung ab Juli/August einsäen.
- Vermeiden von Grabarbeiten, bekannt als die “No Dig Methode”. In größeren Kübeln wird nur Kompost und Humus aufgebracht, nicht die komplette Erde ausgetauscht.
Mut zur Unordnung: Keine Angst vor ein bisschen Wildnis!
Keine Angst vor ein bisschen Wildnis!Permakultur auf dem Balkon bedeutet nicht, dass alles verwahrlost. Es heißt nur, dass wir den Pflanzen mehr Freiheit lassen.
- Mut zur Lücke: Wo ein Blümchen von selbst wächst, darf es einfach bleiben und sei es eine (leckere) Vogelmiere
- Miteinander statt Nebeneinander: Deine Tomate freut sich über den „wilden“ Basilikum zu ihren Füßen.
- Entspannt zurücklehnen: Ein natürlicher Balkon braucht weniger Pflege als ein steriler Kasten.
Tipp: In meiner App zeige ich dir genau, welche „wilden Nachbarn“ besonders gut zusammenpassen!
Mehrjährige Nutzpflanzen als Teil der Permakultur

Beim Gärtnern in Container und Pflanzkübeln können also problemlos viele Prinzipien der Permakultur angewendet werden. In den Pflanzcontainer finden sich dann viele mehrjährige oder sich selbst ausgesamte Gemüse und Kräuter. Mehrjährig sind
- Etagenzwiebeln,
- mehrjähriger Kohl,
- Topinambur
- Kräuter wie Oregano, Salbei, Thymian und Estragon.
Sich selbst vermehrende Gemüsesorten, auch im Balkongarten sind:
- Stangensellerie,
- Gartenmelde,
- Shiso
- Blasenkirschen wie die Litschitomate.
- Selbst Salat kann sich selbst vermehren, wenn er blühen darf.
Beispiel: Die Mutterpflanze des Stangensellerie „Pascal“ hat den vorletzten Winger im eisigen Balkongarten überstanden. Im letzten Sommer hat sie dann geblüht und Samen gebildet. Die meisten Samen werden abgesammelt als Gewürz für das Indische Essen. Doch offensichlich nicht alle. Überall wuchsen und wachsen kleine Stangensellerie Pflänzchen auch noch im 2. Sommer in Folge. Die werden von mir vereinzelt und gedeihen an anderer Stelle prächtig.
So bilden sich Mischkulturen von ganz alleine in den Pflanzkübeln. Das folgt dem Prinzip: Alle verfügbaren Ressourcen nutzen und entsprechend dem Sukzessionsprinzip jede Lücke bepflanzen. Darauf kann man auch im Balkon Gemüse Garten achten. Ich muss nur darauf achten, dass nicht zuviele Pflanzen zu eng stehen und die Pflanzen sich nicht gegenseitig Licht und Nährstoffe weg nehmen.
Matrix Planting oder mehr Licht für alle
Beispiel: Bei der Bepflanzung der Pflanzkübel solche Gemüsesorten zusammen verwenden, welche unterschiedliche Wuchshöhe haben. Vorne Radieschen und später Salat, in der Mitte Karotten oder Bohnen und hinten niedrig wachsende Popcorn Sorten. Mit der Ausrichtung zum Licht bzw. nach Süden. Allerdings immer auch darauf achten, dass nicht zu viel und zu dicht gepflanzt wird. Sonst leiden die Pflanzen Nährstoffmangel und bleiben klein.
Hol dir das Leben in den Kübel: So wird deine Erde lebendig
Ein „lebendige“ Erde ist wichtig für eine gute Ernte. Denn ein komplexes Zusammenspiel von Mikroorganismen und Bodelebewesen erleichtert den Pflanzen die Aufnahme von Nährstoffen. Selbst Kompostwürmer und Regenwürmer wühlen sich dann in beträchtlicher Anzahl durch die Erde in den Pflanztöpfen.
Beim Befüllen der Pflanztöpfe mit Erde und Kompost wird ein Bodenaktivator hinzu gegeben. Bester Bodenaktivator ist der frische Kompost und der Wurmtee aus einer Wurmkiste. Die bringen weiteres Leben und viele Nährstoffe in die Pflanzerde. Die Anschaffung einer Wurmkiste lohnt sich!
Kompostieren von Pflanzenresten der eigenen Ernte ist die nachhaltigste Methode der Düngung. Mit einer Wurmkiste ist das selbst in einer Wohnung möglich.
Weitere Informationen

Frisches Gemüse vom eigenen Balkon? So geht’s! 🌿
Schluss mit Rätselraten: Hier erfährst du auf einen Blick, was in deinem Kübel wirklich wächst. Hol dir meinen Ratgeber für Hochbeet und Balkon und starte deinen eigenen Wohlfühl-Dschungel.
In meine Buch „Balkon Gemüse Garten“ könnt ihr viele Tipps und Rezepte nachlesen. Erhältlich über meine Shop Seite Balkon Gemüse Garten.
Wer sich weiter informieren will, dem empfehle ich das Buch “Permakultur für Einsteiger” von Andrew Mikolajski sehr gut (Werbung wegen Nennung). Es ist für Gartenbesitzer*innen geschrieben. Die Methoden sind aber auch im Kübelgarten anwendbar. Mir haben die vielen, kleinen Tipps für den Gartenalltag gefallen. Nur das mit dem Pipi als Verrottungsbeschleuniger im Kompost werde ich mal lieber bleiben lassen
Fang einfach an
Es ist wie bei allen guten Sachen: Wichtig ist der erste Schritt. Eine Veränderung braucht Zeit, auch eine nachhaltige Permakultur entsteht nicht in einem Jahr. Aber nichts zu ändern ist heutzutage keine Option mehr. Glaubt mir, es wird schon!
Kräuter Dosas mit Erbsen Minzen Humus
Kochutensilien
- 1 Pfanne
- 1 Mixer / Stabmixer
- 1 Pfannenwender
Zutaten
Dosas, indische Pfannkuchen
- 200 g Reismehl
- 100 g rote Linsen oder Linsenmehl
- 1 Hand Kräuter der Saison
- 300 ml Wasser
- 1 Hand Kohlblätter von Palmkohl oder Mehrkohl
- Salz
- 2 Tl Schwarzkümmelsamen
- Speiseöl zum Ausbacken
Erbsen Minze Humus
- 200 g Erbsen
- 5 Blätter Pfefferminze
- 1 El Sesampaste (Tahini)
- 1 Spritzer Zitrone
Anleitungen
Dosas
- Im Original Rezept werden ungekochter Reis und Linsen für 4 - 6 Stunden eingeweicht, püriert und dann nochmal über Nacht stehen gelassen. In dieser Zeit beginnt eine leichte Fermentation, was nochmal einen extra Kick Geschmack gibt.
- In meinem Rezept verwende ich Reismehl und weiche nur die Linsen ein. Wenn es schnell gehen soll, dann kann auch Linsenmehl verwendet werden. Dann die Mehle vermischen.
- Mixe eine Handvoll frische Kräuter (Spinat, Pimpernelle oder Schnittlauch) mit 300ml Wasser im Standmixer glatt.
- Mehlmischung mit dem grünen Wasser verrühren. Weiteres Wasser zugeben, bis der Teig flüssig genug zum ausbacken ist. Der Teig reicht für 10 - 12 Dosas.
Erbsen Humus
- Erbsen (TK Erbsen) weich kochen und abschütten.
- Erbsen, Tahini, Minzblätter mit einem Mixer pürieren. Mit Zitronensaft und ein wenig Salz abschmecken.
Ausbacken
- Kohlblätter in feine Streifen schneiden.
- Öl in der Pfanne erhitzen und soviel Dosa Teig in die Pfanne geben, dass es ein dünner Pfannkuchen wird. Auf die Oberseite Kohlstreifen verteilen. Ist die Unterseite schön brauch, den Dosa umdrehen.
- Ist auch die Seite mit dem Kohl braun gebacken, Dosa auf den Teller geben und das Humus darauf verteilen.









