Stauden selber vermehren wie von selbst

Stauden selber vermehren wie die Korkenzieherhasel
Korkenzieherhasel Steckling

Im oberen Garten gibt es eine Beetecke, über die ich mich in diesem Sommer ganz besonders freue. Denn in dieser Ecke sitzen nur Pflanzen, welche ich selbst vermehrt habe. Mit unterschiedlichen Methoden, mit denen man Stauden selber vermehren kann. Aber immer kostenlos und manchmal wie von selbst. Ein durchaus schlagendes Argument. Ich nenne diese Ecke gerne scherzhaft – aber mit gewissem Stolz –  meine „Gar-nicht-Reste-Rampe“.

Stauden selber vermehren: Vorteile für Pflanzen Vielfalt und Geldbeutel

Zuerst stelle ich euch die Pflanzen vor. Das sind

  • ein purpurner Perückenstrauch (Cotinus dummeri Grace)
  • die rote Fetthenne (Sedum ‚Matrona‘)
  • die Chinesische Herbst-Anemone (Anemone hupehensis)
  • Hartriegel (Cornus)
  • Korkenzieherhasel (Corylus avellana „Contorta“)
  • Lavendel
  • Physalis

Alle Pflanzen wurden nicht aus Samen gezogen. Die Mutterpflanzen des Perückenstrauch, Hartriegel, Physalis und die Herbst-Anemone stammen aus unserem eigenen Garten. Die Fetthenne war ein liebes Geschenk aus dem Walled Garden in Holkam Hall, Norfolk. Ebenso die Korkenzieherhasel.

Staude Chinesische Herbst-Anemone

Die Anome ist eine Chinesische Herbst-Anemone. Die Mutterpflanze stand im Kleingarten. Sie hatte unter dem alten Pfirsichbaum einen riesigen Horst gebildet. Nach unserem Rauswurf habe ich so viele Wurzeln und Pflanzen wie möglich ausgegraben und im Hausgarten wieder eingepflanzt. Darunter auch einige Wurzeln dieser schönen Staude.

Wurzelteilung bei Stauden: Die effektivste Methode zur Verjüngung

Dabei habe ich die großen Wurzelballen der Mutterpflanze vorsichtig geteilt. Mit etwas Gefühl zeigt sich bei der Anemonen Wurzel schnell eine gute „Sollbruchstelle“. Bei anderen Wurzeln muss man schon mal brachial mit Messer oder Spaten ran.

Stauden vermehren durch Wurzelteilung

Die Wurzelteilung (Horstteilung) ist der schnellste Weg zur Pflanzenverjüngung. Hierbei wird der Wurzelballen in der Vegetationsruhe (Frühjahr oder Herbst) mit einem Spaten ausgehoben und in vitale Teilstücke getrennt.

Voraussetzung: Jedes Teilstück benötigt 2–3 kräftige Triebknospen. Viele der Wurzelballen zeigen eine Art Sollbruchstelle. Andere Stauden müssen mit einem scharfen Spaten „geschnitten“ werden.

Vorteil: Fördert die Blühfreudigkeit und Vitalität der Stauden.

Wichtig: Nach dem Wiedereinsetzen kräftig angießen, um das Anwachsen zu sichern.

Leider sind von all den Wurzeln der Anemone nur zwei angewachsen und erst nach 4 Jahren hat sie die hier gezeigte Größe erreicht. Doch die Aussichten sehen strahlend aus. Inzwischen blühen sie regelmäßig und bald kann ich wieder die Wurzelstöcke teilen.

Purpurner Perückenstrauch

Der kleine Perückenstrauch ist ein Ableger des alten Strauches im unteren Garten. Nach dem Wurzelbruch, der fast das Ende des alten Strauches bedeutet hat, musste ich mir unbedingt Nachkömmlinge ziehen.

Vermehrung durch Absenker: Neue Stauden ohne viel Aufwand

Dazu wird ein junger, tiefliegender Ast zum Teil mit Erde abgedeckt und mit einem Stein beschwert. Unter der Erde entwickeln sich dann im Laufe des nächsten Jahres an dem Zweig neue Wurzeln. Es braucht ein wenig Zuwendung, ein Wurzelaktivator und ganz viel Geduld. Dann funktioniert es – in Zwei von Drei Fällen. Mehr dazu im Beitrag Ableger des Perückenstrauch.

Vermehrung durch Absenker

Beim Absenken werden bodennahe, biegsame Triebe vorsichtig in die Erde geleitet. Durch den dauerhaften Erdkontakt bilden sich an der Kontaktstelle neue Wurzeln, während der Zweig noch von der Mutterpflanze versorgt wird.

Vorgehen: Den Trieb mit fixieren und mit Erde bedecken. Wenn die dünne Rinde des Zweiges leicht angeritzt und mit Wurzelaktivator bestreut wird, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass sich Wurzeln bilden.

Zeitraum: Nach etwa einem Jahr ist die Bewurzelung abgeschlossen.

Erfolg: Sobald die Jungpflanze eigene Wurzeln hat, wird sie von der Hauptpflanze getrennt.

Manchmal passiert das Bewurzeln eines jungen Zweiges auch von ganz alleine. Beim Aufräumen im Frühjahr habe ich von einem Hartriegel einen langen, dünnen Zweig gefunden, der bereits ein ordentliches Wurzelsystem gebildet hat. Das Wurzelsystem habe ich in einen größeren Pflanztopf gesetzt. Die Verbindung zum „Mutterstrauch“ lasse ich aber noch bestehen bis nächstes Jahr. Damit der kleine Hartriegel auch wirklich gut wächst. Übrigens kann diese Methode auch super bei Ableger von Erdbeeren angewendet werden.

Rote Fetthenne vermehren

Die rote Fetthenne ist für mich etwas ganz Besonderes. Denn ich habe sie erfolgreich aus einem Steckling gezogen. Der Steckling war ein abgeschnitter Zweig einer Fetthenne aus dem Walled Garden in Holkam Hall in 2017. Ich hatte noch andere Stecklinge geschenkt bekommen von den netten Gärtner und Gärtnerinnen. Doch nur die Fetthenne hat den leider recht langen Transport überlebt.

Endlich Zuhause habe ich den Stiel mit einem Bewurzelungspulver bestäubt und in die Erde gesteckt. Geschützt unter einer Haube ist sie dann auch wirklich angewachsen. Zwei Jahre blieb die Fetthenne im Pflanzkübel, bis sie groß genug war für das Beet. Hier steht die Fetthenne jetzt seit 2019 und wird jedes Jahr schöner.

Stauden vermehren durch Stecklinge: Klone aus eigener Anzucht

Die Vermehrung von Stecklingen – sogenannten Cuttings – funktioniert mit vielen Pflanzen. Wichtig ist, dass der Steckling bereits starr ist, aber noch grün ist. Er sollte nicht zu lange sein – 12- 15 cm -,  Knospen und Blüten müssen abgeschnitten werden. Auch das Blattwerk darf nicht zuviel sein. Die gesamte Energie sollte in die Wurzelbildung fließen und nicht in die Versorgung der Blätter.

Eine entspannte Methode der Stecklingsvermehrung ist die schwimmende Methode.

Lavendel-Vermehrung: Die schwimmende Methode

Diese kreative Technik nutzt die Kraft der Natur für die Bewurzelung von Lavendel-Stecklingen. Die Kombination aus Wasser und natürlichen Wirkstoffen sorgt für eine hohe Erfolgsquote.

Der Aufbau: Die Cuttings werden durch eine schwimmende Styroporplatte gesteckt, sodass die Schnittstellen im Wasser hängen.

Der Weiden-Trick: Frisch geschnittene Weidenzweige im Wasser setzen natürliche Wuchsstoffe (Phytohormone) frei, die das Wurzelwachstum der Stecklinge massiv beschleunigen.

Vorteil: Durch das Schwimmen im Bottich bleibt der Wasserstand an den Trieben konstant, was die Stecklingsvermehrung besonders pflegeleicht macht.

Feuchtigkeit und Wärme: So gelingt die Bewurzelung unter der Haube

Andere Pflanzen, wie die Physalis setze ich weiterhin in kleine Töpfchen. Dazu das Bewurzelungspulver auf die Stengel rund um die Schnittfläche geben, rein in die Erde, anfeuchten und eine Haube drüber. Regelmäßig lüften, kontrollieren das auch nichts schimmelt und natürlich gießen. So wird es was mit der neuen Pflanzengeneration.

Januar 2024

Die Physalis Stecklinge sind gut angewachsen. Sie stehen die ganze Zeit in der Waschküche am Fenster. Dort ist es relativ kühl und sie bleiben schön kompakt. Gegossen wird nur alle zwei Wochen einmal. Die Geranien Stecklinge sind leider alle vergammelt. Die Stecklingvermehrung der Geranien werde ich im Frühjahr noch einmal probieren.

März 2024

In Vorbereitung auf den Umzug in den Garten kommen die Physalis in größere Pflanztöpfe. Zusätzlich ziehen sie um an das wärmere Wohnzimmerfenster. Hier bleiben sie, bis es dann Ende Mai wieder hinaus in den Garten geht. Eine der vier Pflanzen kommt wieder in das Hochbeet, in dem die Mutterpflanze saß. Ich freue mich auf die ersten Früchte, welche dieses Jahr definitv früher reif werden.

Die Vermehrung der Physalis hat also super funktioniert. Zumindest mit der Mehrheit der Stecklinge. Nicht aus jedem Stöckchen wird eine ordentliche Pflanze. Doch wenn ich Lavendel, Fetthenne, Pfaffenhütchen, Jostabeere, … vermehre, wachsen immer genügend an. Also nicht nur ein Steckling machen, sondern gleich 5-6.

Und es wird weiter vermehrt

Jedes Jahr werden es mehr Pflanzen, welche ich selber vermehre. Überraschend oft Purpurne Varianten, wie mir gerade selber auffällt. Darunter auch die Astern Lady in Black und ein purpurner Cow Parsley. Doch darüber in einem weiteren Blogbeitrag. Auf jeden Fall lohnt es sich, seine Stauden selbst zu vermehren.

Zum Schluß noch ein wenig „Klugscheißern“:

Ableger vs. Absenker: Was ist der Unterschied?

Die Begriffe werden oft synonym verwendet, bezeichnen aber unterschiedliche Aspekte der vegetativen Vermehrung:

Ableger (Oberbegriff): Jede junge Pflanze, die sich ohne Samenbildung von der Mutterpflanze getrennt oder an ihr entwickelt hat (z. B. Erdbeerausläufer oder Kindel).

Absenker (Methode): Eine gezielte Form der Ablegerbildung, bei der du einen biegsamen Trieb aktiv in die Erde leitest, um ihn zur Wurzelbildung anzuregen, solange er noch mit der Mutterpflanze verbunden ist.

Kurz gesagt: Jeder Absenker ist ein Ableger, aber nicht jeder Ableger entsteht durch das manuelle Absenken.