Stauden selber vermehren

Im oberen Garten gibt es eine Beetecke, über die ich mich in diesem Sommer ganz besonders freue. Denn in dieser Ecke sitzen nur Pflanzen, welche ich selbst vermehrt habe. Alle mit unterschiedliche Methoden, aber immer kostenlos. Ein durchaus schlagendes Argument. Ich nenne diese Ecke gerne scherzhaft – aber mit gewissem Stolz –  meine „Gar-nicht-Reste-Rampe“.

Zuerst stelle ich euch die drei Pflanzen vor. Das sind

  • ein purpurner Perückenstrauch (Cotinus dummeri Grace)
  • die rote Fetthenne (Sedum ‚Matrona‘)
  • die Chinesische Herbst-Anemone (Anemone hupehensis)

Alle Drei wurden nicht aus Samen gezogen. Die Mutterpflanzen des Perückenstrauch und der Herbst-Anemone stammen aus unserem eigenen Garten. Die Fetthenne war ein liebes Geschenk aus dem Walled Garden in Holkam Hall, Norfolk.

Chinesische Herbst-Anemone

Die Anome ist eine Chinesische Herbst-Anemone. Die Mutterpflanze stand im Kleingarten. Sie hatte unter dem alten Pfirsichbaum einen riesigen Horst gebildet. Nach unserem Rauswurf habe ich so viele Wurzeln und Pflanzen wie möglich ausgegraben und im Hausgarten wieder eingepflanzt. Darunter auch einige Wurzeln dieser schönen Staude. Dabei habe ich die großen Wurzelballen der Mutterpflanze vorsichtig geteilt. Mit etwas Gefühl zeigt sich bei der Anemonen Wurzel schnell eine gute „Sollbruchstelle“. Bei anderen Wurzeln muss man schon mal brachial mit Messer oder Spaten ran.

Leider sind von all den Wurzeln der Anemone nur zwei angewachsen und erst nach 4 Jahren hat sie die hier gezeigte Größe erreicht. Doch die Aussichten sehen strahlend aus.

Purpurner Perückenstrauch

Der kleine Perückenstrauch ist ein Ableger des alten Strauches im unteren Garten. Nach dem Wurzelbruch, der fast das Ende des alten Strauches bedeutet hat, musste ich mir unbedingt Nachkömmlinge ziehen.

Dazu wird ein junger, tiefliegender Ast zum Teil mit Erde abgedeckt. Unter der Erde entwickeln sich dann im Laufe des nächsten Jahres an dem Zweig neue Wurzeln. Es braucht ein wenig Zuwendung, ein Wurzelaktivator und ganz viel Geduld. Dann funktioniert es – in Zwei von Drei Fällen. Mehr dazu im Beitrag Ableger des Perückenstrauch.

Rote Fetthenne

Die rote Fetthenne ist für mich etwas ganz Besonderes. Denn ich habe sie erfolgreich aus einem Steckling gezogen. Der Steckling war ein abgeschnitter Zweig einer Fetthenne aus dem Walled Garden in Holkam Hall in 2017. Ich hatte noch andere Stecklinge geschenkt bekommen von den netten Gärtner und Gärtnerinnen. Doch nur die Fetthenne hat den leider recht langen Transport überlebt.

Endlich Zuhause habe ich den Stiel mit einem Bewurzelungspulver bestäubt und in die Erde gesteckt. Geschützt unter einer Haube ist sie dann auch wirklich angewachsen. Zwei Jahre blieb die Fetthenne im Pflanzkübel, bis sie groß genug war für das Beet. Hier steht die Fetthenne jetzt seit 2019 und wird jedes Jahr schöner.

Stecklinge

Die Vermehrung von Stecklingen – sogenannten Cuttings – funktioniert mit vielen Pflanzen. Wichtig ist, dass der Steckling bereits starr ist, aber noch grün. Er sollte nicht zu lange sein – 12- 15 cm -,  Knospen und Blüten müssen abgeschnitten werden. Auch das Blattwerk darf nicht zuviel sein. Die gesamte Energie sollte in die Wurzelbildung fließen und nicht in die Versorgung der Blätter.
Das Bewurzelungspulver auf die Stengel, rein in die Erde, anfeuchten und eine Haube drüber. Regelmäßig lüften, kontrollieren das auch nichts schimmelt und natürlich gießen. So wird es was mit der neuen Pflanzengeneration.

Januar 2024

Die Physalis Stecklinge sind gut angewachsen. Sie stehen die ganze Zeit in der Waschküche am Fenster. Dort ist es relativ kühl und sie bleiben schön kompakt. Gegossen wird nur alle zwei Wochen einmal. Die Geranien Stecklinge sind leider alle vergammelt. Die Stecklingvermehrung der Geranien werde ich im Frühjahr noch einmal probieren.

März 2024

In Vorbereitung auf den Umzug in den Garten kommen die Physalis in größere Pflanztöpfe. Zusätzlich ziehen sie um an das wärmere Wohnzimmerfenster. Hier bleiben sie, bis es dann Ende Mai wieder hinaus in den Garten geht. Eine der vier Pflanzen kommt wieder in das Hochbeet, in dem die Mutterpflanze saß. Ich freue mich auf die ersten Früchte, welche dieses Jahr definitv früher reif werden.

Die Vermehrung der Physalis hat also super funktioniert. Zumindest mit der Mehrheit der Stecklinge. Nicht aus jedem Stöckchen wird eine ordentliche Pflanze. Doch wenn ich Lavendel, Fetthenne, Pfaffenhütchen, Jostabeere, … vermehre, wachsen immer genügend an. Also nicht nur ein Steckling machen, sondern gleich 5-6.

Und es wird weiter vermehrt

Jedes Jahr werden es mehr Pflanzen, welche ich selber vermehre. Überraschend oft Purpurne Varianten, wie mir gerade selber auffällt. Darunter auch die Astern Lady in Black und ein purpurner Cow Parsley. Doch darüber in einem weiteren Blogbeitrag. Auf jeden Fall lohnt es sich, seine Stauden selbst zu vermehren.