Anzucht Methoden im Check: Wie du starke Pflanzen für deinen Smart Garden ziehst

Die Zeit der Gemüse Anzucht hat begonnen – endlich. Um auch meine Raritäten im Garten erfolgreich großziehen zu können, habe ich verschiedene Anzucht Methoden ausprobiert. Denn alles steht und fällt mit der richtigen Vorbereitung.

Für mich ist Smart Gardening dabei kein bloßes Modewort, sondern die Basis, um auch als Soloprojekt alles im Griff zu behalten. In diesem Beitrag zeige ich dir, welche Anzucht Methoden bei mir im Praxistest wirklich überzeugt haben – damit auch deine Aussaat dieses Jahr zum vollen Erfolg wird.

Vorstellung der verschiedenen Anzucht Methoden

Zuerst eine Auflistung, die ausführlichere Vorstellung findet ihr weiter unten im Artikel.

  • Vorkultur im Anzuchtkasten
  • Vorkultur in gepressten Erdballen
  • Vorkultur in selbst gedrehten Papiertöpfchen
  • Vorkultur in kompostierbaren Pflanztöpfen
  • Vorkultur in größeren Töpfen aus Plastik oder Ton
  • Klopapierrollen

 

🌱 Mein Tipp: Profi-Anzucht-Set

Damit die Aussaat von Chili, Paprika und mehr gelingt, empfehle ich dieses Komplett Set zum Start. Es bietet optimale Bedingungen für starke Wurzeln.

Anzucht Set bei Pflanzen Kölle

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Der klassische Ansatz: Vorkultur im Anzuchtkasten

Ab Ende Januar ziehe ich die ersten Pflanzen vor.
Ab Ende Januar ziehe ich die ersten Pflanzen vor.

Im Anzuchtkasten mit Haube ziehe ich vor allem Paprika, Chili, Auberginen und Salate vor. All diese Pflanzen lassen sich gut Pikieren. Das heißt, sie können Verpflanzt werden, ohne dass sie ihr Wurzelwachstum einstellen. Das spart gerade am Anfang viel Platz und durch die Haube ist die Aussaat vorm Austrocknen geschützt. Es passen auch viel mehr Samen in einen Anzuchtkasten, als in Erdballen oder Anzuchttöpfchen.

Tipp: Übrigens, auch Stangensellerie – ein Lichtkeimer – kann Pikiert werden. Aber er mag es kühler und braucht gefühlt ewig, bis er keimt. Also besser nicht mit den wärmeliebenden Schnellstartern in einen Anzuchtkasten.
Knollensellerie hingegen braucht es warm. Er stellt ansonsten das Knollenwachstum ein. Mehr dazu im Beitrag Knollensellerie Garten Challenge.

Aber natürlich kann man auch gepresste Erdballen in eine Anzuchtkiste setzen.

🌱 In der Anzuchtbox bzw. Seed Tray ziehe ich

Gemüsesorten, welche das Pikieren vertragen und manchmal sogar benötigen:

  • Chili und Paprika
  • Auberginen
  • Tomatillo
  • Andenbeeren
  • Tomaten vertragen es auch, aber sie wachsen besser in Pflanztöpfchen

Tipp: Die Anzuchterde besser zuvor im leicht geöffneten Backofen bei 70 ° C für 30 Minuten sterilisieren.

Erdballenpresse: Nachhaltige Anzucht ohne Plastikmüll

Die Erdballen, welche mit der Presse gemacht werden, eignen sich sehr gut für alle Kohlsorten. Sie sind auch geeignet für die Anzucht von Zwiebeln, Karotten oder Beete – wenn man dieses Gemüse denn vorziehen möchte. Eigentlich sind gerade Karotten überhaupt keine Kandidaten für die Vorkultur. Sie reagieren auf das „normale“ Umpflanzen zumeist mit einem Wachstumsstop.


Setzt man aber die Erdballen mit vorgezogenen Karotten vorsichtig und unbeschädigt ins Beet, wachsen die Karotten zumeist weiter. Für die Ochsenherzkarotten, die sehr lange brauchen um auszureifen, durchaus eine Überlegung wert. Auch die großen Gemüsezwiebeln müssen schon im Januar in die Erde um im September erntereif zu sein. Da ist es aber in unseren Breitengraden – der Wachstumszone 7a – noch viiiiel zu kalt für die empfindlichen Seelchen.

Tool für plastikfreies Gärtnern

Erdballenpresse

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Also noch eine Runde Samen in die Erdballen. Der Große Vorteil der Erdballen Presse ist auf jeden Fall die Müllvermeidung. Auch bei gekauften Setzlinge achte ich immer darauf Setzlinge zu erhalten, welche nur im Erdballen sitzen. Nicht zuletzt spart man sich das Pikieren, ein recht zeitaufwendiger Arbeitsschritt.

🌱 Gemüse Ideal für die Erdballen-Anzucht

Erdballen vermeiden den Umpflanzschock. Diese Sorten lieben die Freiheit im Ballen:

  • Salate: Kopfsalat, Pflücksalat und Feldsalat
  • Kohlarten: Kohlrabi, Brokkoli, Blumenkohl und Grünkohl
  • Raritäten: Meerkohl (besonders wurzelempfindlich)
  • Kräuter: Basilikum, Petersilie und Schnittlauch
  • Fruchtgemüse: Tomaten, Paprika und Chili
  • Zwiebelgewächse: Lauch (Porree) und Zwiebeln
  • Beete: wie die Golden Beet oder Forono
  • selbst Karotten sind möglich

Tipp: Nutze hochwertige Anzuchterde mit einem 1:10 Anteil Betonit, damit die Ballen beim Gießen nicht zerfallen.

Root Trainer & Kunststofftöpfe: Maximale Wurzelkraft für anspruchsvolle Raritäten

Die vorgezogenen Zwiebeln im Root Trainer Anzucht Methoden
Die vorgezogenen Zwiebeln im Root Trainer

Die dritte, große Runde Vorziehen geschieht direkt in Töpfen der verschiedensten Formen und Materialien. Die Roottrainer sind hohe enge Behälter, die zur Auspflanzung einfach aufgeklappt werden können. Diese Art der Voranzucht eignet sich für empfindlichen Tiefwurzlern, wie Mais oder Puffbohnen. Die langen Wurzeln können sich gut entwickeln und verfallen nicht in das „Ringelwachstum“ – aus Platzmangel ringelt sich die Wurzel ein, was zu schlechterem Wachstum der Pflanze führt.

Papiertöpfchen & Co.: Günstige Alternativen für den Eigenbau

Wer Geld und Ressourcen sparen will, der sollte sich einen sogenannten „Pottery Maker“ besorgen. Es gibt sie in verschiedenen Größen, dass Prinzip ist immer das Gleiche: Pflanztöpfchen aus Papier selber drehen.

Dazu schneide ich eine Zeitungsseite vertikal in rund 3 Streifen. Praktisch: Die Spalten der von mir bevorzugt verwendeten Wochenzeitung sind ein tolle Orientierung und die Länge der Streifen ist optimal.

Papierstreifen entlang der Markierung aufrollen, unten einschlagen und fest in den Teller pressen. Vorsichtig vom Holzstempel abziehen. 

Der von mir verwendete Pottery Maker hat die Besonderheit einer Vertiefung im Stempel und einen Zapfen im Teller, das Gegenstück. Dadurch sind die Papiertöpfchen stabiler und die Erde fällt später nicht so leicht heraus. Die in die Töpfchen eingebrachte Aussaaterde wird angefeuchtet.

 

Die Papiertöpfe verwende ich für die verschiedensten, zumeist große Samen. Puffbohnen oder Ackerbohnen, Erbsen, Stangenbohnen, Buschbohnen und auch verschiedenste Kürbis.
All die aufgeführten Setzlinge mögen nicht gerne pikiert oder umgetopft zu werden. Die Papiertöpfchen werden einfach gleich mit eingepflanzt und sollten dann in der Erde verrotten.

Als Schutz vor Fraßfeinde

Auch Klopapier Rollen können verwendet werden. Wie die Papiertöpfen setze ich sie ebenfalls mit ins Beet. Diese verwende ich für die Vorkultur von Erbsen, Bohnen, Puffbohnen und Duftwicken. Eigentlich ist hier keine Vorkultur aus klimatischen Gründen nötig, denn sie wachsen auch sehr gut im Beet an.

Leider sind die Nacktschnecken übermächtig in unseren Beeten und das bereits im Februar. Die kleinen Leckerbissen – Keimlinge und zarte Pflänzchen von Erbsen, Bohnen und Puffbohnen – überstehen zumeist nicht die ersten Tage draußen im Gemüsebeet. Also doch nicht gleich ins Beet, sondern zuerst einen kleinen Vorsprung auf der Terrasse ermöglichen. Für die Anzucht im Haus ist es Erbsen und Puffbohnen zu warm.

 

Nach einem 24 h Wasserbad kommen die Samen in ein Pflanztöpfchen
Nach einem 24 h Wasserbad kommen die Samen in ein Pflanztöpfchen

Tipp: Kürbis Gewächse reagieren sehr empfindlich auf Wurzelverletzungen beim Auspflanzen. Trotzdem säe ich diese in normale Pflanztöpfe aus. Es kommen 2 – 3 Samen in einen ausreichend großen Topf gesetzt (12er Minimum). Man belässt dabei nur den stärksten Setzling im Topf. Die Schwächeren – sollten sie denn aufgehen – werden entfernt.

Wichtig: Die Kürbispflanze muss – sehr vorsichtig – ausgepflanzt werden, bevor die Wurzeln die Topfwand erreichen. Und nehmt keine kompostierbare Pflanzöpfe!

Mit Kompostierbaren Töpfchen habe ich keine guten Erfahrungen gemacht. Das Problem: Das gepresste Material ist so kompakt, dass es nicht schnell genug verrottet. Die feinen „schwachen“ Wurzeln von Melonen, Gurken und Kürbis können die Topfwände nicht schnell genug durchdringen. Die Folge: Die ganzen Kürbis Gewächse stellen ihr komplettes Wachstum ein, wenn sich die Wurzeln nicht ausreichend genug ausbreiten können. Dieser Effekt ist leider unumkehrbar..

Was ist nachhaltiger: Plastik versus Ton

Noch ein Wort zu meinen Plastiktöpfchen: Klar, Tontöpfe sehen besser aus auf Fotos. Zeigt man doch, dass man/frau sich der Nachhaltigkeit verpflichtet fühlt. Nur mache ich keine schön gefärbten Fotos. Ich zeige meine Realität.

Die sieht so aus, dass in all diesen Plastiktöpfchen einmal gekaufte Pflanzen saßen. Ich kaufe keine neuen Tontöpfe für die Anzucht – welche übrigens auch einen sehr hohen CO2 Abdruck haben (weil sie oft aus China kommen). Ich recycle Plastiktöpfe. Das mache ich so lange, bis die Risse einfach zu groß werden und ich die Töpfe doch entsorgen muss.

Ich begrüße sehr die Entwicklung, dass es für den Handel inzwischen vermehrt kompostierbare Pflanztöpfe gibt. Das tut wirklich Not. Aber bis alle Töpfe kompostierbar sind verwende weiterhin meine alten Pflanztöpfe.

Jetzt geht es erst einmal weiter mit dem Vorkultivieren. Bei mir stehen Mitte Februar als Nächstes Auberginen und Kohl an.