Schnitt Gut oder Schere im Kopf, Segen im Beet: Warum mein Rückschnitt niemals in die Tonne wandert

Gartenarbeit im Januar und Februar, dass ist Saatgut sortieren, Gartenprojekte planen – aber vor Allem der Rückschnitt der Gehölze.

Schneiden, Schneiden, Sägen, Schneiden, bis sich die Sehnenscheiden Entzündung bemerkbar macht. Es gibt ja inzwischen so Einiges zu schneiden hier im Garten. An die 50 Hecken bzw. Büsche und 16 Obstbäume müssen beschnitten werden. Dabei arbeite ich fast ausschließlich mit eigener Körperkraft (bis Februar 2026). Heckenschere nehme ich nur selten her. Eine Akkusäge darf ich ohne Sägeführerschein nicht in die Hand nehmen – leider.

Ohne Fleiß kein Preis, ran an die Gartenschere

Die Konsequenz sind Muskelkater, „Rücken“ und Schmerzen am Handgelenk oder wie ich sage: Ich habe „Hand“. Bei dieser Betrachtung sind die vielen Stauden in den Beeten noch gar nicht eingeschlossen. Deren Rückschnitt nehme ich immer erst im April vor.

Immerhin müssen die Laubbäume nicht beschnitten werden. Naja, meistens. Wenn sie mal wieder über die Grundstücksgrenze wucher – die eine Weide ist so ein Kandidat – müssen auch diese gestutzt werden.

In 2026 endlich eine elektrische Gartenschere

Nach langen, fast schon qualvollen Jahren, habe ich mir eine elektrische Gartenschere gegönnt. Ich kann schon nach einem Nachmittag schneiden sagen: So eine elektrische Gartenschere ist eine große Unterstützung. Hätte ich mir schon längst holen sollen. Aber da ich kein Billikruscht wollte, musste ich erst ein wenig sparen. Jetzt fehlt mir nur noch eine Teleskopverlängerung für mein neues Lieblingswerkzeug. Dann kann ich richtig ranklotzen bis zum 28. Februar.

Achtung: Endspurt beim Rückschnitt!

Denk daran: Laut Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) ist der radikale Rückschnitt von Hecken und Gebüschen nur bis zum 28. Februar erlaubt. Ab dem 1. März beginnt die Schonzeit für unsere Vögel und Wildtiere. Erst ab dem 1. Oktober darf wieder geschnitten werden.
Also: Schnell noch die Schere schwingen!

Sucht euch einen Obst-/ Baum Schnittkurs!!!!

Wie man jetzt was am besten schneidet – eine große Kunst, der ich mich auch nach 14 Jahren immer noch annähere. Den richtigen Schnitt setzen, dass ist besonders wichtig bei den Obstbäumen im Garten.

Den Kernobst Schnitt – das sind Apfel, Birne, Quitte – konnte ich in zwei Schnittkurse lernen. Aber als Expertin würde ich mich nicht bezeichnen. Die Geheimnisse des richtigen Steinobstschnittes – Pfirsich, Kirschen und Pflaume – habe ich bis heute nicht so richtig drauf. Nur, dass beim Pfirsich schon fast abartig viel geschnitten werden muss.

Denn gute Fruchterträge und gesunden Baumbestand erhält frau nur, wenn sie den richtigen Schnitt am Obstbaum anwendet. Dieses komplexe Wissen kann selbst über ein Schulungs-Video nur schlecht vermittelt werden. Also sucht euch einen Kurs, Online in Real Time oder direkt vor Ort.

Einen Schnittkurs für Steinobst wie Pfirsich hatte ich immer noch nicht – es gibt einfach keine Kursangebot. Bitte nicht den Schnitt meiner Pfirsichbäume kommentieren. Mir ist bewußt, dass die Fotos keine guten Vorbilder sind.

✂️ Der richtige Rückschnitt

Ein sauberer Rückschnitt ist das A und O für gesunde Pflanzen und eine reiche Ernte. Damit deine Scheren scharf bleiben und du genau weißt, wann welcher Schnitt nötig ist, empfehle ich dir:
Besuche die Webseite von der Baumexpertin Barbara. Sie bietet auch immer wieder Schnittkurse an.

Alles über Bäume und Büsche bei Hortus Vivendi

Hinweis: Der Link führt zur Webseite hortusvivendi.de

Weideschnitt – Rückschnitt ist wichtig

Beim Schnitt der Weiden und den vielen Büschen bin ich deutlich entspannter. Muss ich auch sein, denn gerade der Weidebogen macht richtig viel Arbeit. Die starkwüchsige Weide schiebt in jedem Sommer Hunderte neue Triebe. Im darauf folgendem Frühjahr müssen alle Triebe gestutzt werden, damit der Bogen in Form bleibt. Wenn ich hier jeden einzelnen Schnitt hinterfrage, bin ich Wochen beschäftigt. Eine weitere Weide hat sich vor Jahren selber auf den Weg gemacht. Leider direkt an der Grundstücksgrenze. Jedes Jahr muss ich riesige Äste aus diesem Baum heraus schneiden. Das er diesen fiesen Radikalschnitt immer so gut weg steckt – Respekt.

Ich werde für diese Arbeit belohnt, denn die dabei geschnittenen Zweige und Äste sind ein wertvoller Schatz. Bereits beim Schnitt sortiere ich grob die angefallenen Zweige. Die langen, dicken Äste werden später Rankhilfen. Die langen, schlanken Weidenzweige werden eingelagert und im nächsten Jahr für ein Flechtprojekt verwendet. Dünne und krumme Zweige kommen in Zaunprojekte, Benjeshecke oder werden gehäckselt.

Wertvolles Schnittgut, Material für Rankhilfen und Benjeshecke

Bei all dem Schneiden fällt natürlich auch einiges an Schnittgut an. Nur vom Kirschlorbeer entsorge ich die Zweige mit Blättern. Diese Blätter wollen auch nach Jahren nicht verrotten. Die etwas dickeren Zweige und Äste des Kirschlorbeer, werden in einer Ecke aufgestellt und im Laufe des Frühjahrs ebenfalls für urigen Rankgerüste hergenommen.

🦔 Wertvoller Lebensraum: Die Benjeshecke

Eine Benjeshecke ist weit mehr als nur eine mögliche Grundstücksgrenze. Aus aufgeschichtetem Rückschnitt entsteht ein Paradies für Nützlinge wie Igel, Erdkröten, Glühwürmchen und Zaunkönige. Sie bietet Schutz, fördert die Artenvielfalt und verwandelt Gartenabfälle in wertvollen Humus.

Mehr über Rewilding erfahren

Garten-Tipp: Nutze deinen Gehölzschnitt direkt vor Ort, um ökologische Nischen zu schaffen und den natürlichen Kreislauf in deinem Garten zu schließen.


Die hohen Stangen von der Weide verwende ich als Rankhilfe für Stangenbohnen, Duftwicken, Gurken oder den Rosen. Im Juni, wenn die große Auspflanze Aktion sich dem Ende zuneigt, bin ich dann schon wieder auf der verzweifelten Suche nach weiteren Stangen.

Rückschnitt der Hortensien erst ab April

Auch die Hortensien vertragen mal wieder einen Rückschnitt. Bei meiner langen Hecke mache ich das nur alle zwei Jahre. Mich stören die vertrockneten Blütenstände nicht. Dann aber kürze ich die Hortensien um mindestens ein Drittel. Allerdings verschiebe ich diesen Rückschnitt auf Ende März oder sogar Mitte April.

Tipp: Die vertrockneten Blütenstände sind ein guter Frostschutz für die Knospen und jungen Blattspitzen, welche sich darunter entwickeln. Werden die Hortensien zu früh geschnitten, kann ein später Frost die kompletten Knospen erfriene lassen. Die anfallenden Zweige werden bei mir als Sichtschutz in einer kurzen Benjesjecke verwendet.

Letzte Verwendung des Rückschnitt – Häcksler macht Mulch aus dem Holz

Die dünneren und verästelten Zweige, welche nicht in den Benjes Hecken oder als untereste Schicht im Hochbeet landen – können nur gehäckselt werden. Bisher habe ich mir immer einen Häcksler geliehen. Doch inzwischen fallen solche Mengen an, dass ich einen eigenen Häcksler angeschafft habe.
Die gehäckselten Zweige sind ein toller Mulch in den Staudenbeeten. Unter dem Rhododendron verschwindet fast immer das gesamte Schnittgut des Frühjahrs.

Dieses nachhaltige Wirtschaften, spart viel Geld und auch Emissionen. Das anfallende Schnittgut ist kein Abfall, welcher entsorgt werden muss. Ich weiß woher mein Mulch kommt, was darin enthalten ist und wo ich jederzeit neuen Mulch herbekomme kann. Für mich lohnt sich die zusätzliche Arbeit in jedem Fall.

Schöne Zweige für Natur Deko

Rote Hartriegel Ringe aus frisch geschnittenen Zweigen Rückschnitt.
Rote Hartriegel Ringe aus jungen Zweigen.

Beim Schnitt des Hartriegel bin ich fast zu zahm. Der zeigt seine wunderschöne Färbung nur an den ganz jungen Trieben. Also die Schere mal wieder etwas beherzter ansetzen und altes Holz aus dem Hartriegel schneiden. Dann zeigen sich die roten Zweige des Hartriegel.

Bastelmaterial aus dem Garten

Der schönste Teil  bedingt durch den Rückschnitt ist für mich das Basteln mit den Zweigen. Ständig biege ich lange, biegsame Zweige zu Kränzen. Geht man bei mir durch den Garten, sieht man überall die Kreise aus Zweigen. Ab und an verschönere ich diese Kreise mit Blumen oder Grün, etwa für einen Türkranz oder Tischgesteck. Doch ich liebe vor Allem die Kreiseform, symbolisieren sie doch für mich den Kreislauf des Lebens, der Natur.

In der Hütte steht seit letztem Jahr ein Bündel mit Weidenzweigen. Die werden ab Februar für einige Wochen in Wasser eingeweicht, damit ich dann mit ihnen flechten kann. Bin selber schon sehr gespannt, was ich dabei zaubern werde. Jetzt erst einma Schere in die Hand und los legen. Ansonsten werde ich bis Ende März nicht fertig mit dieser Arbeit.

Die mag ich nicht

Der Schnitt der Kirschlorbeer Büsche folgt bei mir dem Prinzip Tabu und Laras – ich wäre diese Büsche so gerne los. Noch nicht einmal Vögel nisten gerne in ihnen. Ich maltretiere diese Büsche immer, in dem ich richtig dicke Äste heraus schneide, sie manchmal sogar auf den Stock setze. Bei anderen Büschen und Bäumen ist das normalerweise der Tod der Pflanze und nicht ratsam. Der Kirschlorbeer ist aber auch damit nicht kaputt zu kriegen. Immerhin kann ich mit den dicken Ästen andere Gartenprojekte bauen. Pfosten für die Benjeskecken etwa, Kletter und Rankgerüste für Erbsen oder niedrige Zäune als Zierelement lassen sich daraus bauen. Ein nachhaltiger Aspekt in einem Nutzgarten.

Ich weiß jetzt schon, dass ich einige Wochen beschäftigt sein werde mit dem Schnitt. Dieses Jahr muss ich auch endlich wieder die Hortensien zurück schneiden. Alle drei Jahre schneide ich sie tiefer ab, damit sie nicht „besig“ werden. Die Hortensien haben dann im unteren Drittel keine Blätter mehr und die Blütenstände sitzen nur oben. Sieht nicht so schön aus. Letztes Jahr habe ich noch nicht einmal die vertrockneten Blütenstande an ihnen abgeschnitten. Da muss ich unbedingt wieder ran.