Nur die Harten kommen in den Garten: Winteraussaat von Artischocke und Co.

Im Januar ist noch Zeit für die Winteraussaat von mehrjährigen Edimentals wie Artischocke und Meerkohl. Früher habe auch ich diese Pflanzen zuerst im Haus vorgezogen. Um sie zu verhätscheln und dann oft verenden zu sehen, wenn es nach Draussen geht. Viel Aufwand und Arbeit mit geringem Erfolg. Dabei geht es viel einfacher, entspannter und auch für Gartenanfänger erfolgreich. 

Artischocken auch für Garten Anfänger einfach zu ziehen

Samen von Edimentals für die Winteraussaat
Samen von Edimentals für die Winteraussaat

Ich säe inzwischen die mehrjährigen Gemüsepflanzen am liebsten im Januar in größere Pflanztöpfe direkt an Ort und Stelle. Samen haben kein Problem damit auch Minusgrade zu überstehen.

Keimlinge und zarte Jungpflanzen natürlich schon. Deshalb säe ich auch erst im Januar. Dann besteht nicht mehr die Gefahr, dass die Samen zum Beispiel in einer warmen Novemberperiode keimen. Sie würden in der nächsten Frotnacht erfrieren. Ein zu frühes „Auflaufen“ – wie die Keimung in der Gärtnerfachsprache heisst – kann also durch die Aussaat im Januar vermieden werden.

Winteraussaat im Freien im Januar

Die Prodzedur ist die Gleiche, wie bei der Anzucht im Haus. Nur der Standort der Töpfchen mit der Aussaat ist ein anderer.

  • Zuerst die Samen über Nacht wässern (in Kamillentee, Wasser, Milch oder Grüntee, egal was zur Hand ist).
  • Die Samen 1 cm bis 2 cm tief in die Erde stecken
  • in ein größeres Pflanztöpfchen, dass dann raus gestellt wird oder
  • direkt vor Ort im Garten.
  • Erst nach der Keimung muss die Aussaat vor Frost geschützt werden.

Bei der Winteraussaat im Januar säe ich folgende Pflanzen aus:

    • Meerkohl (Crambe maritima)
    • Alisander (Smyrnium olisadrum)
    • Artischocke (Cynara colymus)
    • Cardy (Cynara cardunculus)

Nur die Harten kommen in den Garten bei der Winteraussaat

Ehrlicherweise hat die Winteraussaat auch ihre Nachteile. Ein Nachteil: Es keimen deutlich weniger der ausgesäten Samen, d. h. die Keimrate ist niedriger. Dafür überstehen die so gewachsenen Setzlingen andere Stressphasen, wie Kälte und Trockenheit, viel besser.
Ein weiterer, scheinbarer Nachteil: Es dauert länger, bis zum Beipiel die Knospen von der Artischocke geerntet werden können. Bei Artischocken frühestens im zweiten Standjahr. Aber..

die Pflanzen – die es schaffen – sind gesund, blühfreudig, ertragreich und härter als jede im Haus vorgezogenen Pflanze. 

Woher ich das weiß? Nun, jedes Jahr sehe ich den lebenden Beweis dafür  – zumeist neben den Gemüsebeeten. Ich lasse von vielen meiner Gemüsesorten einzelne Pflanze blühen und Samen bilden. Stangensellerie, Blattkohl und auch Artischocke samen sich so immer wieder auch selber aus. Und ja, diese Pflanzen haben mich noch nie enttäuscht. Auch wenn mich manchmal ihr Standort nervt. Müssen sie doch prinzipiell neben den Beeten wachsen. Am Besten noch mitten im Weg zwischen den Beeten.

Beweis erbracht: eine Winteraussaat funktioniert, auch bei niedrigerer Keimrate

Deshalb mache ich mir inzwischen das Leben und die Gartenarbeit einfacher. Ich lasse der Natur ihren Lauf und schütze die Pflanzen zum Beispiel nur vor Schneckenfrass. Aber nicht vor den kühlen Temperaturen im Februar. Die so gewachsenen Pflanzen sind gesünder, härter im Nehmen und 

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Die andere Art der Winteraussaat: Anzucht im Haus

Viele Gemüse Sorten, welche bei uns gerne auf den Tisch kommen, sind für den reinen Freiland Anbau in Deutschland nicht geeignet. Ihre Vegetationszeit – die Zeit zwischen Aussaat und Erntereife – ist zu lang. Die ausreichend warme Jahreszeit in unserer Klimazone reicht nicht aus um von ihnen Ernten zu können.

Bespiele für unterschiedliche Vegetationszeiten

Salate, Möhren und Radieschen eine kürzere Vegetationszeit als Tomaten, Zwiebeln und Erbsen. Salate, Möhren und Radieschen werden normalerweise innerhalb von 30 bis 50 Tagen geerntet, Tomaten, Auberginnen und Paprika haben eine Vegetationszeit von etwa 60 bis 120 Tagen. Will man im Sommer selbstgezogene Paprika, Auberginen und Co. genießen, müssen bereits Ende Januar bei mir die Orchideen von der warmen Fensterbank im Wohnzimmer weichen.

Anzucht Vorraussetzungen schaffen

Es braucht für das jeweilige Gemüse

  • die passende Anzucht Methode
  • die richtigen Behältnisse und 
  • die notwendigen Umgebungsbedingungen

damit es wächst. Bei vielen Gärtner*innen sieht es dann so aus wie bei uns: Die Aussicht aus dem Wohnzimmerfenster ist verstellt mit Töpfen und Anzuchtschalen.

Pflanzen am Fenster unter Pflanzlicht.
Pflanzen am Fenster unter Pflanzlicht.

Bei den besser ausgestatteten Gärtner*innen schimmert noch manchmal ein purpurnes Licht durch das abendliche Fenster. Oder das wesentlich angenehmere Vollspektrum Licht der LED Pflanzlampen. Mehr dazu im Beitrag „Es werde Licht“.

Licht, Wärme und Pflege

Gerade bei den empfindlicheren Kulturen von Aubergine, Chili, Paprika, Tomatillo, uvm. ist auf Vieles zu achten:

  • Nicht zu früh starten,
  • nicht zu spät Aussäen,
  • die beste Anzuchterde,
  • die richtigen Temperaturen mit Wärmematten gewährleisten und vor allem
  • Pflanzlicht bereit stellen.

Dann auch wieder nicht zu warme Umgebungstemperatur. Ausreichend Feuchtigkeit, aber auch nicht zuviel – und doch funktioniert es nicht immer.

Mein größtes Problem ist der Mangel an Töpfchen und Aussaat Möglichkeiten. Von Klopapierrolle, über der das selbst gedrehte Zeitungstöpfchen bis hin zu Plastikschalen vom Gemüseeinkauf: Alles muss herhalten um die nächste Gemüsegeneration zu beherbergen. Dabei passt nicht jede Gemüsesorte in jeden Anzuchtbehälter. Mehr dazu im „Vorziehen Teil 2“.

Anfang Januar kommen wie oben beschrieben die Perennials wie Artischocken und Gemüsezwiebeln in die Erde. Testweise auch Ochsenherzkarotten und andere große Karottensorten. 

Ende Januar Paprika, Pepperoni, Auberginen, Zwiebeln, Tomatillo, Knollensellerie,  Andenbeeren und Kirschtomaten.

Im Februar folgen die ersten Kohlsorten, wie Palm und Grünkohl. Dazu der Sellerie, wobei ich selbst inzwischen nur noch Stangensellerie ziehe. Auch ein Teil der Puffbohnen dürfen sich im Haus auf den Weg machen, wenn sich noch mal tiefe Frosttemperaturen für den Februar ankündigen.

Start für die geliebten Paradeiser

Erst Anfang März lege ich mit den Tomaten los. Gurken, Kürbis und Melonen sogar erst ab April. Bei den Kürbisgewächsen ist es wichtig, dass sie kontinuierliche Wachsen können. Müssen sie zu lange auf warmes Wetter in ihren Töpfen warten, stockt dass Wachstum und kommt nicht wieder richtig in Gang.

Einen Teil der Erbsen ziehe ich auch vor als Schutz vor Fressfeinden, wie die spanische Nacktschnecke. Beim Mais sind es eher die Mäuse, welche mich zum Start im Haus zwingen. Es ist noch kein einziges Maiskorn im Garten aufgegangen. Vor allem die Wurzelgemüse säe ich ausnahmslos direkt ins Beet. Allerdings gibt es sehr große Maissorten, die schon im Februar im Haus durchstarten. Das sind nämlich Kandidaten mit der zu lange Wachstumsphase versus zu kurzer Sommer.

Im Juni kommen dann Fenchel und Chicoree bzw. alle Zichorien Gewächse. Auch Winterlauch.

Viele andere Gemüsesorten, wie die Puffbohnen, aber auch manche Kohlsorten, Salat, Karotten, Beete, Rettich, usw. werden direkt in die Beete gesät. Nur ausgewählte Sorten erhalten einen geschützten Start im Haus oder Gewächshaus. Dann ist aber nicht die Vegetationszeit der ausschlaggebende Faktor, sondern bespielsweise der Schutz vor Fraßfeinden – Nacktschnecken.

Die Monate Januar bis März sind bereits gut gefüllt mit allerlei gärtnerischen Tätigkeiten. Wenn man sich die Mühe macht das meiste Gemüse selber zu ziehen. Für mich kein Stress, sondern Freude. Aber ich kann verstehen, wenn man das lieber Fachleuten überlässt und sich die Setzlinge später kauft. Doch mit der stressfreieren Winteraussaat im Freien können es auch die probieren, denen es ansonsten zu viel ist.