Permakultur Prinzipien: No-Dig, Zonen & Kreisläufe im Praxistest

Ende April ist die Natur im Garten regelrecht explodiert. Innerhalb von wenigen Tagen haben alle Bäume geblüht, darunter auch zum ersten Mal überhaupt die Judasbuche. Die schwarze Holzbiene ist nicht mehr alleine. Sie sind dabei sich kräftig sich weiter zu vermehren (ich sage nur Holzbienen ES EE X :-)) Zwei weitere Hochbeet sind entstanden und auch weitere Blumenbeete.

Schöner Wohnen für  Alle in meinem Permagarten

Der Garten wird zumindest in meinen Augen immer schöner und ich versuche ihn auch weiterhin noch attraktiver zu gestalten für all die anderen Gartenbewohnern. Mein nächstes Projekt ist nach der Fertigstellung des Hochbeetes der Bau einer Sandbienen Behausung. Die gefundene Bauanleitung fand ich sehr spannend.

Permakultur Prinzipien verstehen: Mehr als nur ein „unordentlicher Krauthaufen oder aus einzelnen Handlungen wird Methode

Aber ist mein Garten nun ein Permagarten oder doch nur ein unordentlicher Krauthaufen? Da für mich der Begriff „Permakultur“ und die Permakultur Prinzipien immer noch schwer greifbar sind, habe ich mir ein paar Bücher zu dem Thema angeschaut.

Die Haupterkenntnis: Hinter dem Begriff Permakultur verbirgt sich – zumindest für mich – eine Vielzahl von einzelnen Methoden und Aktionen, welche durch ihre Gesamtheit ein holistisches System bilden. Durch ihre schiere Menge ist es fast unmöglich „Permakultur“ auf eine kurze Erklärung zu reduzieren. Deshalb eine Liste der Dinge, welche mir wichtig erscheinen und sich dabei leicht umsetzen lassen:

  • Selber eigenen Dünger erzeugen. Entweder aus Pflanzenmaterialien oder Exkrementen von Nutztieren,
    in Form von Kompost, Jauchen, Mulch…
  • Ziehen von einjährigem Frucht-/ Gemüse aus selbst erzeugtem Saatgut.
  • Nicht immer alles ordentlich blank räumen, die Natur auch einfach mal im Gemüsebeet machen lassen.
  • Bereiche im Garten etablieren, welche so wenig wie möglich bearbeitet werden. Verwilderte Ecken, wo das Unkraut wuchern darf und Platz für Nützlinge geschaffen wird. Etwa in Form eines Totholzhaufens.
  • Anbau von mehrjährigen Nutzpflanzen, Allen voran Obstbäume und Sträuchern.
  • Edimentals und Zierpflanzen mit einem echten Mehrwert, wie Bambus als Baumaterial, ungefüllte Dahlien als Futterquelle, Wildobst wie Felsenbirne.
  • Vermeiden von Grabarbeiten, bekannt als die „No Dig Methode“.

Weitere Informationen und eine Auflistung von mehrjährigem Gemüse findet ihr im dazu gehörigen Blogbeitrag Permakultur im Hausgarten: Mehrjähriges Gemüse pflanzen & 10 Jahre Erfahrung„.

Die Zoneneinteilung: Warum kurze Wege pures Soul Food sind

Mein Urban Jungle Balkongarten im August. Permakultur Prinzipien
Mein Urban Jungle Balkongarten im August.

In der Permakultur wird ein Garten in Zonen eingeteilt. Für mich das ultimative Rezept gegen den berüchtigten Projektstau. Zone 1 ist der Bereich direkt am Haus, den man jeden Tag sieht und erreicht. Der wichtigster Bestandteil meiner Zone 1 ist der Balkongarten. Hier wächst mein persönliches Soul Food: Die frischen Kräuter für den Tee am Morgen oder der Salat für das schnelle Abendessen. Wenn ich nicht erst mit Gummistiefeln durch den ganzen Garten laufen muss, um ein bisschen Basilikum zu ernten, schenkt mir das in einem stressigen Alltag wertvolle Minuten der Ruhe.

Kurze Wege bedeuten weniger Arbeit und mehr Genuss – genau das macht den Garten zu einem Ort, der Kraft gibt, statt sie zu kosten. Je weniger Arbeit und Aufmerksamkeit eine Pflanze benötig, desto weiter weg vom Haus befindet sich ihr Standort. In Zone 4 befinden sich Obstbäume und Nussbäume. In Zone 5 die wirklich ungepflegte Wildnis, das Refugium meiner wilden Gartenbewohner. Auch da habe ich intuitiv das Richtige gemacht. Besser gesagt nichts gemacht und das war goldrichtig.

Permakultur ohne Dogma: Warum Entspannung wichtiger ist als Perfektion

Ob unser Garten jemals als echte Permakultur durchgehen wird, kann ich nicht sagen. Aber all das oben aufgeführte – und noch Mehr –beherzige ich bereits, versuche es so weit wie möglich umzusetzen. Ohne dabei wieder in die Stressfalle zu tappen, alles genau so umzusetzen, wie es geschrieben steht. Ich orientiere mich an wichtigen Permakultur Prinzipien und interpretiere sie für mich. 

Zwei Grundprinzipien haben sich für mich heraus kristallisiert:

  1. Die Zoneneinteilung hilft dabei so effektiv wie möglich mit so wenig Eingriffen wie nötig einen Nutzgarten zu bewirtschaften.
  2. Dabei so autark wie möglich zu arbeiten, ist das zweite Grundprinzip (Saatgut selber sammeln, Kompost und Jauchen herstellen,…). Nebeneffekte sind der Schutz von Ressourcen und die Reduzierung von nicht wieder verwertbaren Abfällen. Aber es ist auch vollkommen in Ordnung, wenn man nicht alle selber erledigt.

Das Buch „Permakultur für Einsteiger“ von Andrew Mikolajski sehr gut (Werbung wegen Nennung) ist als Einstieg in das Thema sehr gut. Hier haben mir auch die vielen, kleinen Tipps für den Gartenalltag gefallen. Nur das mit dem Pipi als Verrottungsbeschleuniger im Kompost werde ich mal lieber bleiben lassen.

Permakultur im Balkongarten: Kleiner Raum, große Freude

Spannend finde ich, dass auch beim Gärtnern in Container und Pflanzkübeln die Prinzipien der Permakultur Anwendung finden können. Permakultur macht nicht am Gartentor halt. Auch auf wenigen Quadratmetern Balkon kannst du die Prinzipien der Kreislaufwirtschaft und des Soul Foods perfekt umsetzen.

Ob in Kübeln, vertikalen Beeten oder Kästen: Hier wird jeder Zentimeter zu einer kleinen Wohlfühloase. Meine Favoriten wie die Litschitomate (Solanum sisymbriifolium) oder sogar Stangensellerie (Apium graveolens var. dulce) im Topf zeigen, dass man kein Hektar Land braucht, um essbare Vielfalt zu genießen. Auf dem Balkon ist die Zoneneinteilung sogar am intensivsten – Zone 1 liegt direkt vor der Terrassentür. Kurze Wege, maximale Entspannung und das Glück, beim morgendlichen Kaffee direkt das erste Grün zu entdecken, machen auch den kleinsten Balkon zum echten Permagarten.

Wenn ich mir meine Pflanzcontainer anschaue, findet sich in manchen schon mehrjähriges oder sich selbst ausgesamtes Gemüse, wie den Stangensellerie und den Shiso. Die Stangensellerie Mutterpflanze hat vorletztes Jahr in einem Pflanzkübel überwintert und uns fleißig Stangen geliefert. Im letzten Sommer hat sie dann geblüht und Samen gebildet. Offensichtlich habe ich nicht alle Samen abgesammelt, wie an den vielen kleinen Pflänzchen zu erkennen ist.

Pflanzbeispiel für Balkongarten Pflanzkübel

Pflanzbeispiel ToBaKo für Balkon Pflanzkübel.
Pflanzbeispiel ToBaKo für Balkon Pflanzkübel.

Auch Mischkulturen und selbst Regenwürmer finden sich in beträchtlicher Anzahl in meinen Pflanzkübeln und Container. Alle verfügbaren Ressourcen nutzen, eben entsprechend dem Sukzessionsprinzip jede Lücke nutzen. Dazu Wildkräuter und Edimentals ihren Raum geben. Darauf werde ich Balkongemüsegarten in Zukunft verstärkt achten. Ein Praxisbeispiel: Bei der Bepflanzung der Container auf die unterschiedliche Wuchshöhen der Gemüsesorten achten.

Es ist wie bei allen guten Sachen: Wichtig ist der erste Schritt. Eine Veränderung braucht Zeit, auch Permakultur entsteht nicht in einem Jahr. Aber nichts zu ändern ist heutzutage keine Option mehr.