Das mit der Pappe im Garten

Und ich verwende sie doch: Die Pappe im Garten. Die Wochen im Januar und Februar sind auch bei uns oft frostig. Diese kalten Wochen sind für meine Artischocken Pflanzen die kritischte Phase. Das bisher wirksamste Mittel war und ist ein Pappkarton über das Herz der Pflanzen. Unterfüttert mit trockenem Stroh oder Laub erhöht er die Überlebensrate der Artischockenpflanzen erheblich.

Pappe kommt auch noch anders zum Einsatz im Garten. In vielen Publikationen der Permakultur findet sich die No Dig Methode. Dabei wird frische Erde und Kompost auf eine Fläche aufgebracht und darauf angebaut. Damit das darunter wachsende Unkraut sich nicht einfach weiter vermehren kann, gibt es den Tipp eine dicke Schicht Pappe aufzubringen.

Vor kurzem wurde auf Instagram die Verwendung von Pappe im Garten pauschal in Frage gestellt. Grund sei die PFC Belastung der Pappe. Wie bei allen pauschalisierten Aussagen: Sie bilden höchsten die halbe Wahrheit ab. Dafür sind sie leicht zu merken, eben weil sie so vereinfacht sind.

Die Kirche im Dorf

Ganz so schwerwiegend sind die Folgen beim Einsatz bzw. weg lassen von Pappkartons im Garten zum Mulchen zum Glück nicht. Trotzdem will ich die Aussage „Pappe ist giftig, mit PFC belastet“ unbedingt näher betrachten. Weil ich Pappe bereits im Garten eingesetzt habe und auch gerne weiterhin einsetzen möchte.

Erst einmal: Wo kommt das PFC her?

PFC bedeutet Perflorierte Chemikalien. Vereinfacht gesagt: Das sind Kohlenstoffketten, bei denen die Wasserstoff-Atome gegen Flour-Atome ausgetauscht wurden. Für die Industrie interessant sind die PFC aufgrund ihrer Eigenschaften. Sie sind Wasser- und Fettabweisend. Ihre Anwendungsgebiete sind vielfältig. In Löschschaum, in Flugzeugtreibstoff, bei Hilfsstoffen von Galvanisierung, in Teflonbeschichtung von Pfannen, Wasserabweisende Funktionskleidung, uvm.

PFC werden auch bei der Herstellung von Wasserabweisenden Farben verwendet. Viele Farben, welche auf den Versandkartons, aber auch beim Druck von Zeitschriften verwendet werden, enthalten immer noch PFC. Bei der Verarbeitung des Altpapiers zu neuen Versandkartons bleiben diese Stoffe erhalten. Selbst wenn der verwendete Leim bzw. die Beschichtung der Pappe kein PFC mehr enthält, kann so PFC hinein gelangen. In der eigentlichen Pappe wird kein PFC eingesetzt.

Das Farben PFC und andere Giftstoffe enthalten ist auch der Grund, warum bedruckte Pappkartons wirklich nicht im Garten verwendet werden sollten. Aber gilt das deshalb auch automatisch für die unbedruckten Pappkartons?

Muss jede*r selbst wissen

Meiner Meinung nach nein. Ja, es können Spuren von PFC in der Pappe von Versandkartons enthalten sein. Ja, PFC wird nicht abgebaut und reichert sich in der Erde an. Doch für mich überwiegen die Vorteile der NoDig Methode mit Pappe. Folien oder Vlies sind auch keine Alternativen um den Boden zu Mulchen. Für Blumenbeete werde ich weiterhin unbedruckte Pappe verwenden. Als Füllmaterial für Hochbeete habe ich es eh nie verwendet. Und den Status als Bio „Organic“ Gärtnerin habe ich eh verloren, da ich es wage auch mal F1 Zucchini zu ziehen.

Letzlich ist es jedem selbst überlassen, ob er die Pappe verwendet. Wichtig finde ich, dass jedem von uns gute und diverse Informationen zur Verfügung stehen, auf deren Grundlage er/sie die Entscheidung treffen kann.


Noch ein paar Worte zum PFC Skandal hier in der Region: Wie erwähnt sollte im Papierschlamm überhaupt kein PFC enthalten sein. Es wurde auch nie PFC Belastung nachgewiesen in dem Kompost, welcher diesen Papierschlamm enthielt.

Wohin gegen sehr wohl PFC enhalten war und auch ist: Der Klärschlamm aus den Kläranlagen der betreffenden Gemeinden. Noch in den 90er wurde der Klärschlamm den Gärtnern als Wunderkompost verkauft.  Ob Unternehmer oder Privat – es wurde Klärschlamm an den Mann gebracht. Die haben dann den belasteten Klärschlamm auf ihre Felder und Beete ausgebracht. Es gibt noch viele Zeitzeugen, welche sich daran erinnern. Mit drei Personen konnte ich selbst darüber sprechen.

Die Gemeindeverwaltungen hingegen erinnern sich daran nicht mehr. Vielleicht auch deswegen, weil das im Klärschlamm enthaltene PFC vermutlich aus den hier angesiedelten Unternehmen der Automobil Branche stammen könnte. Hier wurden und werden immer noch viele Bauteile aus Stahl galvanisiert. Ein Schelm, wer böses dabei denkt – Kühlwasser trägt PFC Richtung Kläranlage, landet im Klärschlamm, wird auf Felder ausgebracht.
Lieber wird es unter den Teppich gekehrt und mit auch nach 10 Jahren unbewiesenen Beschuldigungen werden andere Optionen verschleiert.

Leider kann man dem PFC nicht nachweisen, woher es kommt und wie es dahin gekommen ist. Nur das es da ist und nicht mehr weg geht.

„Die perfluorierten Chemikalien können in Kläranlagen nicht abgebaut werden. Vielmehr entstehen in Kläranlagen durch verschiedene Umwandlungsprozesse aus den abbaubaren Vorläuferverbindungen (polyfluorierte Chemikalien) zusätzliche perfluorierte Chemikalien.“ 1

Umweltbundesamt/perflorierte-Chemikalien (21.12.21)

 

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