Erde und Kompost im Balkongarten

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Mit guter Pflanzerde steht und fällt alles im Balkon Gemüse Garten – im wahrsten Sinne des Wortes.

Genauso Komplex wie die Beschaffenheit eines gesunden Bodens ist auch der beste Umgang damit. Es ist eine Wissenschaft für sich, eine gute Grundlage für unser Gemüse zu schaffen. Ich versuche hier so kurz wie möglich das Wichtigste zu erklären. Wer nur (m)ein Rezept will, findet es unten.

Die gute Nachricht: Es gibt Pflanzerde, welche auch mit gutem, ökologischem Gewissen gekauft werden kann. Ich selbst versorge mich bei einer regionalen Kompostanlage mit Blumenerde, Gartenerde und vor allem Kompost. Sucht doch auch in eurer Region nach einer guten Kompostanlage. Erkennbar am RAL Gütezeichen Kompost.

Für alle, die auf Erde auf dem Sack zurück greifen: Kauft bitte Erde, welche mit Torf aus zertifiziertem Abbau versetzt ist. Leider wirkt sich der komplette Verzicht auf Torf negativ auf das Wachstum der Pflanzen aus. Zumindest bis die Erde komplett “aufgebaut” ist. Die Erde aus dem Pflanzsack ist in der Regel bereits gedüngt. Damit sind die Pflanzen die ersten Wochen im Pflanzkübel versorgt, bitte Angaben auf dem Sack nachlesen.

Ganz wichtig: Die gekaufte Erde – gleich ob sie aus einer Kompostanlage stammt oder aus dem Foliensack – ist eine gute Grundlage, aber noch lange nicht die vollreife Pflanzerde, welche wir alle in unseren Beeten und Pflanzkübeln haben wollen. Sie ist zu diesem Zeitpunkt ein quasi totes Trägermaterial für all die guten Zutaten, die verfügbar gemacht werden müssen. Wir müssen die Pflanzerde erst aufbauen!

Ein Hinweis zum Aufbauen der Pflanzerde: Fangt damit mindestens 4 Wochen vor der Pflanzung an. Wenn möglich besser 3 Monate vorher. So hat die Erde Zeit zu reifen und die wichtigen Inhaltsstoffen sind von Anfang an den Pflanzen verfügbar.

Folgende Zutaten sollten der neuen Pflanzerde zugefügt werden

  • Kompost
  • Milchsaure Bakterien, wie sie beim Fermentieren entstehen
  • Aktivkohle
  • Urgesteinsmehl
  • oder Bodenaktivator

Kompost
In einem gesunden Boden im Garten befinden sich neben dem verottetem Pflanzmaterial – welches hier Humus genannt wird – auch viele Kleinstlebewesen und Mikroorganismen. Im Zusammenspiel mit den etwa enthaltenen Mineralien entsteht ein komplexes System, dass den Wurzeln der Pflanzen überhaupt die Möglichkeit gibt Nährstoffe aufzunehmen. Dazu fügen wir der gekauften Pflanzerde Kompost bei.

Kompost ist Träger und Förderer der Bodengesundheit. Durch seinen hohen Gehalt an organischer Substanz fördert er das Bodenleben und die natürliche Humusbildung und damit die Bodenfruchtbarkeit. Das sorgt für eine gute Bodenstruktur und Durchlüftung und erhöht die Wasserspeicherung der Pflanzerde, auch in geringeren Volumen, wie Pflanzkübeln, Containern und Balkonhochbeeten.

Zusätzlich liefert der Kompost düngewirksame Mengen an Phosphor, Kalium, Magnesium und Kalk und spart somit den Einsatz von Düngemitteln, vor allem mineralischer Dünger, welcher dem Boden oft schadet, vor allem in Hochbeeten und Containern. Hier kann es durch das geringere Volumen noch schneller zu einer Überdüngung kommen.

Mikroorganismen

Die kleinsten im Boden verrichten die wichtigste Arbeit. Sie zersetzen zum Beispiel den organischen Dünger – also Pflanzenbestandteile – damit sie überhaupt von den Wurzeln aufgenommen werden können. Es hilft den Karotten nicht, wenn man nur fleißig Blätter und Gras in die Erde arbeitet.  Die darin enthaltenen Nährstoffe müssen erst gelöst werden. Ganz einfach und platt ausgedrückt: Die Mikroorganismen sind ein Teil der “Magensäure” der Erde. Sie zersetzen das Pflanzenmaterial und lösen die wichtigen Bestandteile.

In der Regel sind keine Mikroorganismen in gekaufter Pflanzerde und Kompost, da hier bei der Kompostierung mit Temperaturen um 70°C gearbeitet wird. Zwischenzeitlich werden in meiner Kompostanlage nach dem Verrottungsprozess Mikroorganismen beigemengt. Das ist aber eine noch seltene Ausnahme.

Ihr selbst könnt der Pflanzenerde auch Mikroorganismen zugeben. Allerdings nicht mit der Lake von Sauerkraut. Keine Ahnung wo diese Mär herkommt. Gute Mikroorganismen Träger sind

  • selbst fermentierter Apfelessig
  • Brottrunk aus dem Reformhaus
  • Bokashi

Ich verwende gerne meinen selbst angefertigten Apfelessig. Hier kann zum Beispiel auch der Ansatz mit den Apfelschalen verwendet werden. Wenn ich ehrlich bin für mich die beste und einzige Einsatzmöglichkeit von Apfelessig aus Apfelschalen. Wie man das Zeug trinken kann …

Etwas teurer, aber dafür voll mit vielen anderen guten Zutaten ist das Bokashi. Grundlage sind auch hier fermentierte Pflanzenteile. Weitere Zusätze beim Bokashi sind Aktivkohle und Urgesteinsmehl.

Pflanzenkohle / Aktivkohle

Pflanzenkohle entsteht, wenn Holz unter hohen Temperaturen “ausgast” und nicht zur Asche verbrennt. Im Prinzip wie Grillkohl, nur mit einem höherem Reinheitsgehalt. Bitte keine Grillkohle verwenden!! Der große Vorteil von Pflanzkohle: Sie erhöht die Speicherfähigkeit der Pflanzerde. Sowohl von Wasser, als auch von Mineralien. Auch deshalb ist sie ein wichtiger Bestandteil der “Terra Preta”. Beispiel: Beim Düngen mit Flüssigdünger bleibt das darin enthaltene Natrium und der Großteil des Wassers im Topf und läuft nicht einfach wieder unten heraus. Im vom Austrocknen bedrohtem Balkongarten ganz wichtig.

Urgesteinsmehl

Es verbessert die Bodenbeschaffenheit und enthält viele Mineralien. Oft ist Urgesteinsmehl auch Bestandteil von Düngern oder dem angebotenem Kompost. Nachlesen oder bei der Kompostanlage nachfragen.

Der im Handel erhältliche Bodenaktivator enthält je nach Marke (fast) alle der aufgeführten Bestandteile. Bitte die Inhaltsstoffe durchlesen und die richtige Dosierung anwenden.

So, nach viel Theorie die Praxis. Wie bereitet Ursula von @gartengarten ihre Pflanzerde vor?

Einige Wochen vor der Pflanzung vermische ich (1 Teil = 30 l)

  • 2 Teil Pflanzerde 
  • 1 Teil Kompost
  • 1 Hand Urgesteinsmehl
  • 1 l Pflanzenkohle

Gut vermengen und darüber eine volle 10 l Gießkanne mit 1 l selbst fermentiertem Apfelessig (9 l Wasser, 1 l Apfelessig)

Ganz wichtig: Diese Mischung füllt maximal zu 2 Drittel den gesamten Pflanztopf bzw. Pflanzcontainer. Vor allem für die Direktsaat kommt eine 5 cm dicke Schicht “unbehandelte” Pflanzerde oben auf. Die Saat würde sonst nicht aufgehen.

Habt ihr nicht die Zeit oder Möglichkeit das im Vorfeld zu machen, dann die Schicht der unbehandelten Pflanzerde etwas höher einfüllen. So wurzeln die Pflanzen erst nach einiger Zeit in das dann reife Kompost-Pflanzenerde Gemisch.

Weitere Fragen gerne über meine Online Beratung.

 

 

 

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